Opa has made the trip. Last Sunday for El Clásico!

Der Opa, der ihn ab seinem 4. Lebensjahr zum täglichen Training gefahren und die Mannschaft mit Essen und Trinken versorgt hat. Der Opa, der für Marc-Andre ter Stegen schnell zur wichtigsten Bezugsperson wurde und jeden Schritt des Keepers stolz mitbegleitet hat. Genau der Opa hat seinen Enkel vor wenigen Wochen endlich in Barcelona besucht und durfte mit eigenen Augen sehen, wie Marc-Andre von fast 100.000 Menschen als einer der besten Torhüter der Welt gefeiert wird. Der Marc-Andre, dem der Opa jahrelang dabei zugesehen hat, wie er als Stürmer ein Tor nach dem anderen erzielt hat. Der Marc-Andre, der seinen Opa bald ein weiteres Mal stolz machen wird, wenn er mit der deutschen Nationalmannschaft um den Weltmeistertitel kämpft.

Aus dem jungen Torjäger, der im beschaulichen Mönchengladbach aufgewachsen ist, ist längst ein souveräner Keeper geworden, der Tore zu verhindern weiß. Und das nicht irgendwo, sondern beim großen FC Barcelona.
Der Sprung von der Gladbacher Nummer Eins zum Helden von Camp Nou war ein großer, den er mit Bravour gemeistert hat. Manuel Neuer bricht sich im September 2017 zum zweiten Mal in kürzester Zeit den Mittelfuß. Niemand denkt im Herbst daran, dass Marc-Andre ter Stegen in den Fokus rücken wird. Ter Stegen ist 26, im besten Fußballeralter, um seinem Team ein unüberwindbarer Rückhalt zu sein. Die gesundheitliche Situation Manuel Neuers lässt ihn nicht kalt, an eine Wachablösung denkt ter Stegen nicht. Beigebracht hat ihm diese Demut sein ehemaliger Trainer Lucien Favre. Der Schweizer erklärte seinem Torhüter eine Lektion fürs Leben, die er sich stets wieder vor Augen führt. Keine Gedanken an Eventualitäten verschwenden, die den Fokus beeinträchtigen können. Nicht einen Schritt zu viel an die Zukunft denken, sonst vergisst man schnell, was im Hier und Jetzt zählt. Ter Stegen beschützt seine Konkurrenten in der Nationalelf, auch bei Fehlern von Bernd Leno und Kevin Trapp stellt er sich stets hinter seine Kollegen und lebt keine ungesunde Konkurrenzsituation. Jetzt aber zählt das, was für ter Stegen so wichtig ist: Das Hier und Jetzt. Und das Hier und Jetzt heißt WM. Der Traum eines jeden Spielers. Die Chance, als deutscher Mittelfeldspieler auf einen WM-Zug aufzuspringen, ist alle vier Jahre gering. Die Chance, als DFB-Torhüter beim Turnier dabei zu sein, ist geringer. Die Chance, die Nummer Eins zu sein, ist am geringsten. Lange scheint es, als würde Manuel Neuer nicht fit werden und ter Stegen wäre unser Mann im Tor. Aber der Welttorhüter ist gesund. Er wird spielen. Ter Stegen wird die beste Nummer Zwei der Welt.

Ter Stegen wird in Mönchengladbach ausgebildet.

In Rekordzeit zum Rückhalt. © Imago

Am 10. April 2011 war der große Tag für das Gladbacher Eigengewächs gekommen: Im Alter von 18 Jahren stellte ihn Lucian Favre zum allerersten Mal ins Tor der Borussia. Seiner Borussia, für die er seit seinem 4. Lebensjahr spielt und mit Stolz die Raute auf und im Herzen trägt. Zu einem Zeitpunkt, der ungünstiger nicht hätte sein können. Mit dem Rücken zur Wand stand die Borussia auf Platz 18 kurz vor dem Abstieg. Mit ihrer neuen Nummer Eins schafften es die Fohlen Dank starkem Schlussspurt noch in die Relegation und blieben letztendlich auch in der Liga. Seit dem 10. April 2011 hatte ter Stegen keine Bundesligaminute mehr abgegeben. Keine Verletzung, keine Schonung, er genoss jede Spielminute am Bökelberg. Nicht nur er, auch der Opa war immer mit dabei und verpasste kaum eine Partie des Enkels.
Die Gladbacher Borussia war für ter Stegen kein Verein, sie war Heimat. Er definierte sich über das schwarz-weiße Logo auf der Brust, die Stadt, die Fans und die Trainingsfahrten mit seinem Opa. Wem fällt es da leicht, mit 22 Jahren diese Heimat zu verlassen und all die emotionalen vergangenen Momente hinter sich zu lassen? Ter Stegen traute sich. Wohlwissend, dass er kein Publikumsliebling mehr sein würde, vom gemütlichen Mönchengladbach in die Metropole Barcelona ziehen müsse und nach dem Spiel nicht mehr den Opa auf der Tribüne grüßen könne. Er traute sich dennoch. Er wollte reifen, sich verbessern und seine Familie noch stolzer machen.

Der Messi zwischen den Pfosten

In Barcelona angekommen, findet er eine ungewöhnliche Situation vor. Claudio Bravo ist gesetzt und steht in jedem Ligaspiel zwischen den Pfosten. Ter Stegen aber bestreitet jede Partie in der Champions League, und die Einsätze enden erst im Finale. Im Berliner Olympiastadion, knapp 600 Kilometer von seiner Heimat, dem Borussia Park, entfernt, feiert ter Stegen seinen größten Erfolg, den Gewinn des Henkelpotts. Trotz des Triumphes bleibt die Spielteilung mit Bravo bestehen, ins La Liga Tagesgeschäft darf ter Stegen nicht eingreifen. Aber der Gladbacher Junge kämpft und denkt keineswegs daran, die Katalanen wieder zu verlassen. Barca glaubt an den jungen Keeper und der zeigt in jeder Trainingseinheit, wohin er will. Und dieser Ehrgeiz zahlt sich aus. Zur Saison 2016/17 schafft er das, wovon Millionen junger Torhüter weltweit träumen: Er wird die Nummer Eins des FC Barcelona, dirigiert die Abwehr rund um Gerard Pique, initiiert zusammen mit Andres Iniesta die großartigsten Spielzüge und feiert mit Leo Messi Tore um Tore. Ter Stegen ist angekommen auf dem Olymp des europäischen Vereinsfußballs. Wie auch in Gladbach ist der Keeper mittlerweile unumstritten, wird von Fans, Mitspielern und Medien gefeiert und verehrt.

Ter Stegen ist einer der Besten geworden.

Angekommen unter den Größten. © Imago

Teamgeist

Viel wichtiger aber ist: Ter Stegen ist Mensch geblieben. Spricht spanisch, lernt katalan und lebt das Leben in der kosmopolitischen Stadt mit großer Freude. Das, was ihn schon in der Jugend ausgezeichnet hat, verkörpert er noch heute als Champions League Sieger und einer der besten Torhüter der Welt. Demut, Disziplin, Wille und Empathie. Ter Stegen ist kein Lautsprecher, keiner, der polarisieren möchte oder im Mittelpunkt stehen will. Er unterstützt Manuel Neuer zu 100% und gibt alles für sein Team. Er betreut seine Social-Media-Kanäle ohne Ghostwritern und bestätigt das Bild eines glaubwürdigen, fannahen Weltstars. Bei seinem Abschied aus Mönchengladbach weinte er nicht wenige Tränen, auch bei seiner Rückkehr mit dem FC Barcelona in der Champions League genoss er die großen Emotionen in seinem Wohnzimmer. Die Fans gaben ihrem einstigen Torhüter das zurück, was er ihnen jahrelang geschenkt hatte. Liebe, Respekt und Leistung.

Marc-Andre ter Stegen ist ein Torhüter, der weiß, wo seine Wurzeln liegen und was er der Heimat zu verdanken hat. Jemand, der sich aus der Komfortzone herausgetraut hat und zu einem der allerbesten wurde. Zwischen Iniesta, Suarez, Messi und Co. ist er zum Rückhalt eines Teams geworden, das man auf der ganzen Welt kennt. Er ist schon jetzt einer der Stärksten und kann seinen Status in den nächsten Jahren vergolden.Keeper der Welt gefeiert wurde. Und jemanden, der es versteht, als Teil einer Gemeinschaft alles für das große Ziel zu geben.
Marc-Andre ter Stegen steht hinter Manuel Neuer, aber dennoch nicht in seinem Schatten. Die Mitspieler wissen: Wir haben einen zweiten Torhüter, der genauso gut hält, wie der erste. Auf ihn können wir uns verlassen. Spielstark, perfekte Strafraumbeherrschung, Libero-Qualitäten und eine Führungspersönlichkeit. Jemanden, der die Unterstützung und das uneingeschränkte Vertrauen der Weltmeister-Nation verdient. Jemanden, der die stärkste Saison seines Lebens gespielt hat und weltweit als bester Keeper der Welt gefeiert wurde. Und jemanden, der es versteht, als Teil einer Gemeinschaft alles für das große Ziel zu geben. Der sich hinter Manuel Neuer einreiht und weiß, wie wichtig und wie gut er dennoch ist.

Ter Stegen ist zu gut für die Bank.

Deutschlands bester zweiter Keeper der Geschichte. ©Imago

Ter Stegen wird bald reif für die deutsche Nummer Eins sein, reif für die großen Spiele und reif für den Titel. Ein Gladbacher Junge, der sich über den FC Barcelona zur weltweiten Nummer Eins spielen kann. Dort, wo ter Stegen seine große Karriere begonnen hat, hat sie Toni Turek 1957 einst beendet. Der Torhüter, der uns 1954 zum ersten Titel der Geschichte gebracht hat. Kein schlechtes Omen für die weiteren Jahre. Stolz wären wir alle, ganz besonders aber wohl einer: Opa ter Stegen, der seinem Enkel Marc-Andre 1996 auf der ersten Fahrt zum Training bestimmt erzählt hat, wie schön die Titel 1974 und 1990 waren. Und wer weiß, vielleicht heißt es am 16. Juli 2018 auf ter Stegens Instagram-Seite dann:

Opa has made the trip. Last Sunday for the World Cup final!

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