Anführer

By WM-HeldenNo Comments

Er ist fast am Ziel. Etwas Größeres als Fußball gibt es nicht. Seit 17 Jahren hat er nur diesen einen Traum, den Traum vom Profi. Jahr für Jahr wird er besser, Jahr für Jahr rückt er näher an sein großes Ziel heran. Er übernimmt früh Verantwortung und steht als Kapitän diverser Jugendmannschaften im Fokus. Dann wird er 18 und steht kurz vor der erträumten Karriere bei seinem Heimatverein. Nichts scheint ihm noch im Weg zu stehen. Nichts außer seinem Knie, das plötzlich nichts mehr vom Fußball wissen will. Gestern greift er nach dem ganz Großen, heute sagt ihm sein Arzt: Hör auf, das wird nichts mehr.

Sieben Jahre später gewinnt er die Champions League und wird Weltmeister. Weil er nie aufgehört hat, an sich zu glauben. Und weil er gekämpft hat. Um seine Karriere, seinen großen Traum. Sami Khedira ist vor jedem Spiel dankbar dafür, dass er es spielen kann. Während andere unbeschwert und stolz den Sprung zu den Profis genießen, muss er mehr als ein Jahr lang dafür kämpfen, überhaupt wieder auf dem Rasen stehen zu können. Damals ahnt er noch nicht, dass er nur wenige Jahre später alles gewinnen wird. Es ist die klassische Jugendkarriere, die er verfolgt. Beim VfB Stuttgart wird er ausgebildet und durchläuft Jahr für Jahr ein Juniorenteam nach dem anderen. Man merkt früh: Hier will jemand ganz nach oben. Fleiß, Ehrgeiz, Respekt und Demut bringen ihn soweit, dass sein Ziel zum Greifen nah ist. Und Fleiß, Ehrgeiz, Respekt und Demut bringen ihn nach der schlimmen Leidenszeit soweit, nie aufzugeben und sich zurück zu kämpfen.

Sami Khedira kämpft gegen alle Zweifler und schafft das, was die Ärzte für nicht möglich hielten: Er wird Fußballprofi. Mit 19 darf er zum ersten Mal in der Bundesliga auflaufen. Schnell wird Khedira Teil der „Jungen Wilden“. Neben ihm tauchen mit Mario Gomez und Serdar Tasci noch zwei weitere Youngster aus dem eigenen Nachwuchs auf. Stuttgarts junges Team wirbelt die Bundesliga auf, plötzlich heißt es vor dem letzten Spieltag völlig überraschend: Noch ein Sieg und wir sind Meister.

Sami Khedira köpft Stuttgart zur Meisterschaft.

Mit 20 Jahren erreicht, wovon andere ein Leben lang träumen. Der Kopfball ins Glück im Mai 2007. ©Imago

Es steht 1:1, die ganze Stadt wartet auf das entscheidende Tor. Und dann kommt Sami Khedira. Kommt, sieht und trifft. Versetzt eine ganze Region in Freudentaumel. Meister werden mit dem Herzensverein, der einem das Fußballspielen beigebracht hat. Meister werden und das alles entscheidende Tor erzielen. Meister werden, nachdem es noch vor wenigen Monaten hieß, die Karriere würde nichts werden. Für Sami Khedira geht mehr als nur ein Traum in Erfüllung an diesem Abend. Ein Spieler aus der eigenen Jugend köpft ihren VfB zur Meisterschaft, mehr geht für die Fans nicht. Er steht da, wo er immer stehen wollte. In Stuttgart wird er schnell zu einem der Publikumslieblinge. Hier ist seine Heimat, fußballerisch wie privat. Der Lohn für die harte Arbeit ist der Anruf von Joachim Löw. Im September trägt er zum ersten Mal das deutsche Trikot, auch der tunesische Verband hat lange um ihn gekämpft.

2010 – das Jahr der Veränderungen

Nach fünf Einsätzen in der Nationalelf steht die WM in Südafrika vor der Tür. Khedira soll als Ergänzungsspieler mitfahren, heißt es. Urplötzlich wird aus dem Ergänzungsspieler der Mann neben Bastian Schweinsteiger. Kapitän Michael Ballack muss die WM verletzt absagen und Khedira rutscht in die Stammformation. Der Neuling spielt, als hätte er noch nie etwas anderes gemacht. Im Spiel um Platz Drei köpft er das entscheidende 3:2 wenige Minuten vor Schluss. Nach der WM kehrt Khedira zurück nach Stuttgart. Allerdings nur, um seine Sachen zu packen, denn Jose Mourinho hatte sich gemeldet. Mit 23 Jahren geht es für ihn nun nach Spanien zu Real Madrid. Die Konkurrenz im Mittelfeld ist galaktisch. Viele halten den Schritt für zu verfrüht, räumen ihm kaum eine Chance auf Spielpraxis ein. Aber Khedira kämpft. Er überzeugt sofort und schafft es auf Anhieb, Stammspieler zu werden. Der Schritt ins Ausland war kein leichter für ihn. Raus aus dem Wohlfühl-Kosmos, rein in eine neue, fremde Welt. Aber es ist auch genau das, was Khedira will. Neue Mentalitäten kennen lernen, eine neue Sprache verstehen und neue Menschen treffen. Er lebt nicht nur auf dem Feld, er möchte auch abseits des Platzes nie aufhören, seinen Horizont zu erweitern.

Sami Khedira setzt sich bei Real Madrid durch.

Durchgesetzt im Weltfußball. © Imago

Khedira ist 3,5 Jahre lang Reals Stabilisator im Mittelfeld. Gleichzeitig ist er zu einem Führungsspieler für Jogi Löw geworden, der für die WM 2014 gesetzt ist. Nach 2002, 2006 und 2010, wo man immer wieder kurz vor dem großen Titel gescheitert war, möchte Deutschland 2014 endlich den ersehnten Pokal nach Hause holen. Dann reißt Khediras Kreuzband. Es sind nicht einmal mehr sechs Monate bis zum Turnierstart. Eigentlich ist jedem klar: Das wird nichts. Wie zu Beginn seiner Karriere scheint ein Traum zu zerplatzen. Wieder sagt man ihm, es ist aussichtslos. Und wieder zeigt er, was ihn ausmacht. Mit unbändigem Ehrgeiz arbeitet er jeden Tag, um doch noch fit zu werden. Und er weiß: Nichts ist aussichtslos. Wenn ich nicht ein Prozent mehr gebe als normalerweise, dann kann ich nicht mit nach Brasilien. Und er gibt dieses eine Prozent mehr.
Er steht nicht nur als Spieler auf dem Feld, sondern vielmehr als Persönlichkeit. Aus dem Nachwuchsschüler von 2010 ist ein gereifter Führungsspieler geworden, der seine Mannschaft führt. Sein größtes Spiel bestreitet er im Finale. Und das, obwohl er gar nicht auf dem Platz steht.

100% für mein Team

Beim Warmmachen spürt er: Es geht nicht. Die Wade macht zu. Kurz vor dem größten Spiel seines Lebens muss er sich entscheiden: Bleibe ich auf der Bank oder probiere ich, ob es nicht irgendwie geht. Khedira weiß: Wenn ich spiele, erfülle ich mir einen Traum. Schon immer wollte ich in einem WM-Finale spielen. Aber Khedira weiß auch: Wenn ich spiele, helfe ich meiner Mannschaft nicht. Im Gegenteil. Ich schade ihr, weil ich nicht 100% geben kann. Er sieht das Finale von der Bank aus. Sein Verantwortungsgefühl der Mannschaft gegenüber ist zu groß. Alleine kann er nichts erreichen, gibt er aber alles für sein Team, gewinnt er neben dem Platz mindestens genauso viel. Deutschland holt bei diesem Turnier den Titel. Endlich. Nach 24 Jahren feiert das Land den ersehnten 4. Pokal.

Sami Khedira ist der Chef im Mittelfeld.

Shootingstar, Ergänzungsspieler, Stammpersonal, Kapitän. Vom Jungspund zum Wortführer. ©Imago

Nach dem Triumpf zählt er bei Real nicht mehr zum Stammpersonal. Er kämpft mit vielen kleinen Verletzungen und ist nicht zufrieden mit seiner Bilanz. Diese innere Zufriedenheit ist das, was Khedira neben der Gesundheit am Wichtigsten ist. Verspürt er sie nicht, ändert er etwas. Er geht nach Turin. In Italien wird sein Spielstil geschätzt und gefeiert. In Spanien wollten sie einen Edeltechniker in ihm sehen, der Iniesta und Co. nacheifert. Die Italiener lieben die passgenaue, zielstrebige und schnörkellose Spielführung ihres Neuzugangs. Nach einer von kleineren Blessuren geprägten ersten Saison zeigt Khedira wieder einmal, was ihn auszeichnet. Er arbeitet an neuen Strategien, um fitter und weniger anfällig für Verletzungen zu werden. Wie immer verlässt er sich dabei nie auf altbewährte Methoden, sondern experimentiert, um das Beste zu finden. Nicht für sich, sondern für seine Mannschaft. Seit zwei Jahre ist er verletzungsfrei. Er wirkt mit 31 fitter als jemals zuvor. Und er ist anerkannter als je zuvor. Die Doppel-Sechs mit ihm und Toni Kroos ist über jeden Zweifel erhaben. Spielt Khedira einmal nicht, ist die fehlende Stabilität sofort bemerkbar.

Denn Khedira strahlt nicht nur Ruhe und Souveränität aus, sondern auch unbändigen Siegeswillen und Respekt für den Gegner. Er bringt das auf den Platz, was ihm auch privat wichtig ist. Seine Mitspieler wissen: Auf Sami ist Verlass. Kapitän ist Manuel Neuer, Chef auf dem Feld ist Sami Khedira. Der einstige talentierte Ergänzungsspieler ist zu einem unverzichtbaren Weltklassespieler gereift. 2010 hat man gehofft, dass sein Einsatz nicht allzu risikoreich wird. 2014 hat man gehofft, dass er seiner Rolle als Stammspieler gerecht wird. Und 2018 hofft man, dass er sich nicht verletzt, denn gleichwertiger Ersatz ist nicht zu finden. Sami Khedira hat genau die Karriere hingelegt, auf die er lange hingearbeitet hat.

Mit 18 Jahren war genau das sein Antrieb: Spielen. Tore schießen. Titel gewinnen. Champions League spielen. Nationalspieler werden. Weltmeister sein. Die niederschmetternde Diagnose der Ärzte ist nie zu ihm durchgedrungen. Denn genau dieser Traum vom ganz großen Erfolg hat ihn immer weiterkämpfen lassen. Er hat alles gewonnen und doch hat seine Motivation kein bisschen nachgelassen. Denn er weiß: Jedes Spiel ist ein Geschenk. Ein Geschenk, das mir niemand zugetraut hat. Ein zweites Mal Weltmeister werden? Klingt deutlich besser, als ein Karriereende mit 18!

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Erstklassig

By Erstklassig, WM-HeldenNo Comments

Er genießt die Zeit mit seiner Familie, verbringt die Wochenenden mit seinen Freunden und spielt ab und zu Fußball. Weil es ihm einfach Spaß macht. Er ist ein ganz normaler 19-Jähriger, der das Leben genießt. Fernab von Leistungsdruck oder Verzicht. Die unbeschwerte Jugend verbringt er beim SV Auersmacher. Er kickt ganz gut und überlegt: Wieso nicht Profi werden? Und er probiert es einfach. Mit 19 Jahren geht er zu verschiedenen Probetrainings und will sehen, ob er gut genug ist. Heute ist er 28 und fährt zur Weltmeisterschaft.

Der klassische Weg eines Fußballers beginnt früh. In jungen Jahren schon fährt er in ein Nachwuchsleistungszentrum und strebt an, alle Zeit zu opfern, um Profi zu werden. Bei Jonas Hector war alles anders. Fußball bedeutete immer nur Spaß und Gemeinschaft für ihn. Professionell Fußballspielen? Daran hat er lange keine Gedanken verschwendet. Während viele 15-jährige Nachwuchshoffnungen den Sommer nur mit dem Ball verbringen, darf Hector eine unbeschwerte Jugend leben. Unzählige Juniorenspieler müssen den Traum vom Profifußballer begraben, nur ein Bruchteil erreicht ihr großes Ziel. Und Jonas Hector wird urplötzlich zu einem der besten Verteidiger Deutschlands. Und kämpft jetzt um das, was er vor zehn Jahren nicht einmal ansatzweise zu träumen gewagt hätte: Er kann Weltmeister werden.

Es ist der Sommer 2010, der Hectors Leben plötzlich ändert. Er startet in das Abenteuer Fußball, keinesfalls aber mit großen Ambitionen. Wenn es bei einem großen Verein nicht klappt, dann spiele ich dort eben nur für die zweite Mannschaft, denkt er. Der 1. FC Köln wird schließlich seine Heimat. Drei Jahre lang spielt er für die Regionalligamannschaft des FC. Und es macht ihm Spaß, wie er es vorausgesagt hat. Die erste Mannschaft? Wäre schön, aber kein Muss. 2013 findet er sich plötzlich doch bei den Profis wieder. In der zweiten Liga, höher, als er es sich jemals erträumt hat. Auf einmal ist Hector unverzichtbar, spielt jede Minute. Im Mai 2014 realisiert er: Ich bin jetzt Bundesligaspieler. Mehr geht nicht. Es gibt keine Liga, wo man noch besser spielt. Auf einmal ist er ein Star. Vier Jahre zuvor wusste er noch nicht einmal, ob er denn wirklich Profi werden will. Auf das Abitur und sein freiwilliges soziales Jahr ist er stolz, es muss keine Karriere auf dem Rasen sein. Es dauert keine drei Monate, da wird aus dem Jungen vom Bolzplatz plötzlich ein Nationalspieler. Er spielt keine Spaß-Turniere mehr, er läuft mit dem Adler auf der Brust auf. Für den Weltmeister.

Jonas Hector ist bei Löw gesetzt.

Auf einmal unter Beobachtung des Bundestrainers. © Imago

Auf einmal Star

Er ist nicht nur ein Bundesligaspieler. Jetzt ist er einer der Besten. Für seinen FC macht er jedes Spiel, auch Jogi Löw verzichtet nicht ein einziges Mal auf ihn, wenn er fit ist. Irgendwann ruft der FC Barcelona in Köln an. Der wohl beste Verein der Welt. Sie wollen nicht irgendeinen Spieler, sie wollen Jonas Hector. Und was will Jonas Hector? Jonas Hector will das machen, was ihm Spaß macht. Wie vor zehn Jahren will er die Heimat nicht verlassen, sondern mit seinen Freunden einfach Fußballspielen und sein vertrautes Umfeld genießen. Es ist ihm nicht wichtig, welche Titel er gewinnen kann oder wie hoch das Gehalt sein könnte. Er bleibt in Köln und fährt zur EM nach Frankreich. Mit dabei: Die Weltmeister. Die jetzt auch Europameister werden wollen, und zwar mit Jonas Hector. Als hätte er noch nie etwas anderes gemacht, spielt er jede Sekunde des Turniers. Deutschland scheidet im Halbfinale aus, trotzdem aber wird Hector zum Helden.

Jonas Hector spielt jede Minute bei der EM.

2012 noch Amateur, 2016 auf der ganz großen EM-Bühne. ©Imago

Es gibt Mannschaften, gegen die spielt man einfach nicht gern. Und dann gibt es Italien, gegen die Deutschland noch weniger als ungern antritt. Wann immer es bei einem Turnier zum Duell kommt, lässt der Fußballgott den Italienern den Vortritt. Es steht 1:1, als die Verlängerung vorbei ist. Im Elfmeterschießen zeigen sie alle Nerven. Die Spieler, die Trainer und jeder einzelne Fan Zuhause. Es ist klar: Italien legt vor, wir ziehen nach. Treffen wir nicht, ist es sofort vorbei und wir haben wieder einmal gegen unseren Angstgegner verloren. Es sind kaum noch Spieler übrig, als Jonas Hector zum Punkt geht. Noch nie in seiner Profikarriere hat er einen Strafstoß geschossen. Ihm gegenüber: Einer der weltbesten Torhüter der Geschichte, Gigi Buffon. Sein Pendant hat vergeben und Hector weiß: Wenn ich jetzt treffe, haben wir es geschafft. Unten rechts soll sein Ball einschlagen. Und unten rechts schlägt sein Ball ein. Buffon ist noch dran, kann den Schuss aber nicht parieren. Deutschland gewinnt gegen Italien und Hector ist der gefeierte Mann. Dabei legt er darauf so gar keinen Wert. Zum einen, weil alle anderen Spieler den gleichen Anteil am Sieg haben. Zum anderen, weil er eigentlich gar keine Aufmerksamkeit möchte.

Am liebsten wäre es ihm, nach den Spielen direkt nach Hause zu fahren. Was er abseits des Platzes macht? Die Zeit mit Freunden und seiner Familie verbringen, so wie früher. Fotos davon gibt es keine. Denn Jonas Hector ist einer von ganz ganz wenigen Spielern, die nicht in den sozialen Netzwerken präsent sind. Kein Facebook, kein Instagram, kein Twitter. Er braucht keine Aufmerksamkeit, er braucht den Fußball und sein familiäres Umfeld. Während seine Kollegen im Fernsehen auftreten, Klamotten designen oder um die Welt reisen, geht er zur Uni. Er studiert nicht Sport, wie man es von einem Fußballer erwarten könnte, sondern Wirtschaft in einem Fernstudium. Als ganz normaler Student, nicht als Fußballprofi. Und als Wirtschaftler weiß er, was es bedeutet, wenn ein Unternehmen ein Jahr lang erfolglos ist. Mitarbeiter gehen, es gibt weniger Geld und das Umfeld ist unzufrieden. Genau das muss Hector 2018 selbst erleben. Fast die Hälfte der Saison muss er verletzt zuschauen, wie seine Kölner ein Spiel nach dem anderen verlieren. Irgendwann ist klar: Der Abstieg steht kurz bevor. Die Fans sind wütend und enttäuscht von ihrer Mannschaft.

Ein Mensch, von dem jeder Fan träumt

Eigentlich ist jedem FC-Fan klar: Jetzt werden wir unseren Kapitän verlieren. Er ist Stammspieler für Deutschland, er kann überall hin. Kann Meister werden und um die Champions League spielen. Was will er in der zweiten Liga? Er will daheimbleiben. Bei seinem Verein, seinen Fans, seiner Freundin und seinen Freunden. Köln ist sein Zuhause geworden. Dieses Zuhause ist ihm wichtiger, als die Chance auf Titel und Triumpfe. Ein Nationalspieler, dem alle Türen offenstehen, spielt bald in der zweiten Liga. Seine Entscheidung berührt jeden einzelnen Fußballfan. Das Gefühl ist ihm wichtiger als das Geld und all die Siege, die er international feiern könnte. Jonas Hector ist kein Fußballer. Jonas Hector ist ein Mensch, der gerne Fußball spielt. Einer, der seine Freizeit mit Lesen verbringt und mit einem Ford zum Training fährt. Einer, der auch in der Kreisliga nicht weiter auffallen würde. Ein wunderbarer Mensch. Wie Du und Ich. Der Spaß an seinem Sport ist in der zweiten Liga nicht kleiner, als in der ersten. Für die Fans ist ihr Jonas damit zur Ikone geworden. In Köln erlebt man alles, große Siege und schmerzhafte Abstiege. Und jetzt haben sie jemanden, der das alles mitmachen will, der ihre Stadt und ihren Verein liebt.

Jonas Hector geht mit Köln auch in die zweite Liga.

Gefühl statt Geld. Hector geht mit seinen Kölnern in die 2. Liga. ©Imago

Und jetzt spielt der künftige Zweitligaspieler Hector seine erste Weltmeisterschaft. Nicht auszudenken, was in Köln passiert, wenn ihr Jonas als Weltmeister zurück nach Hause kommt. Er wird nicht nur dabei sein, er wird spielen. Mit 28 Jahren kann Hector seinen ersten Titel gewinnen. Gut möglich, dass er mit dem FC keine weiteren Titel gewinnen wird, das weiß er. Dass er beim FC aber glücklich ist, weiß er auch. Und das zeichnet den Menschen Jonas Hector aus. Es geht nicht um Geld, um vermessenen sportlichen Ehrgeiz oder den Kampf um die Champions League, es geht um Familie, Vertrauen und Zusammenhalt. Auf und neben dem Platz. So spielt er und so lebt er. Ein Spieler mit diesem Charakter ist für jede Nation Gold wert. Einer, der für die Mannschaft alles gibt und sich selbst außen vorlässt. Einer, für den es nach wie vor ein Traum ist, das deutsche Trikot zu tragen. Einer, der Fairness und Respekt vorlebt.

Vor wenigen Jahren feuert Jonas Hector das DFB-Team mit seinen Freunden vom SV Auersmacher an und hoffte auf den Titel. Bald schon werden sie sich wieder treffen, um auch 2018 dabei zu sein. Eine Sache aber ist diesmal anders: Ihr Kumpel Jonas Hector ist nicht in der Runde dabei. Stattdessen ist er in Russland. Steht für die Mannschaft auf dem Platz, die Zuhause unterstützt wird. Und dieser Jonas Hector wird sich denken: Wieso nicht Weltmeister werden? Ich probiere es einfach!

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Raketenstart

By Raketenstart, WM-HeldenNo Comments

Helmut Rahn musste aus dem Hintergrund schießen, um unseren ersten Titel zu feiern. Gerd Müller musste sich um sich selbst drehen, damit wir zum zweiten Mal Weltmeister wurden. Jürgen Klinsmann brachte die Abwehr durcheinander, weshalb wir in Rom WM-Titel Nummer 3 geschenkt bekamen. Thomas Müller spazierte durch den Strafraum, bis wir 2014 erneut am Ziel unserer Träume angelangt waren.

Auch 2018 brauchen wir wieder jemanden, der uns mit Toren verwöhnt und das Land jubeln lässt. Einen, der einfach immer dort steht, wohin der Ball kommt. Einen, der eiskalt ist. Und einen, von dem wir uns stolz das Trikot mit der Nummer 9 kaufen.
Wir haben den einen, den wir brauchen. Er ist jung, trifft aus allen Lagen, ist so schnell wie kaum ein anderer und hat mit gerade einmal 22 Jahren mehr erlebt, als manch anderer mit 32. Wir haben den einen, der uns zum WM-Titel schießen kann. Dieser eine bringt alles mit, was ein Weltklassespieler braucht. Wir haben ihn, Timo Werner.
Und Timo Werner kann unser Star in Russland werden. Ein bodenständiger, ruhiger, ehrgeiziger junger Stürmer, der auf dem heimischen Bolzplatz gar nicht weiter auffallen würde. Bis er los sprintet und das Runde im Eckigen versenkt. Dann fällt Timo Werner auf. Auffallen will er nur auf dem Platz. Und aufgefallen ist Timo Werner schon früh. Er ist erst 22, und doch hat man das Gefühl, als sei er schon Jahre dabei. Genau genommen ist er das auch, denn für Werner begann das Abenteuer Profifußball schon mit 17 Jahren. Andere überlegen zu diesem Zeitpunkt, was sie eigentlich mit ihrem Leben machen wollen. Timo Werner wird Fußballprofi. Nicht irgendwo, sondern daheim im Ländle.

Waschechter Stuttgarter.

Stuttgarter Junge. © Imago

Und daheim hat er alles miterlebt. Erlebt, wie Kindheitsträume wahr werden und erlebt, wenn man auf einmal der Buhmann ist. Geboren in Bad Cannstatt, was bleibt da anderes übrig, als zum VfB zu gehen? Timo Werner ist elf Jahre alt, als er einen unvergesslichen Tag erlebt. Sein VfB wird Deutscher Meister, eine Überraschung, wie sie größer nicht hätte sein können. Vor allem einer imponiert ihm: Der 20-jährige Mario Gomez, sein neues Idol. Vorbild Gomez wird beim VfB zum Nationalspieler, holt die Champions League mit dem FC Bayern und ist eine feste Größe für die Deutsche Elf. Er lebt die Karriere, die Werner auch unbedingt möchte. Eines hat er ihm schon einmal voraus: Er wird zum Shootingstar, bevor er überhaupt debütiert. Denn Stuttgart spürt: Hier wächst vermutlich ein Jahrhunderttalent heran. Wir haben Jürgen Klinsmann, Mario Gomez und Sami Khedira herausgebracht, aber dieser Werner, der kann ein ganz Großer werden. Noch träumt er davon, zehn Tore in einer Saison zu schießen. Er möchte diesen Traum vom Profi verwirklichen und arbeitet am großen Ziel. Im August 2013 darf er zum ersten Mal auf die Bundesligabühne. Er ist noch nicht einmal 17,5 Jahre alt. Zwei Wochen später folgt die erste Gala mit zwei Torvorlagen, eine weitere Woche danach erzielt er den ersten Treffer. Und auch den ersten Rekord gibt es schon vor der Volljährigkeit: Er wird im November 2013 zum jüngsten Doppeltorschützen der Ligageschichte. Trotz des rasanten Aufstiegs ist allen klar: Dieses Talent müssen wir ganz behutsam aufbauen. Sowohl bei Lob als auch bei Kritik fängt der VfB alles ab, was Werner beeinflussen könnte. Denn neben der Karriere macht der Stürmer auch noch sein Abitur.

Widerstände lassen ihn erwachsen werden

Mit 19 wartet die erste Prüfung auf Timo Werner. Alexander Zorniger wird Trainer in Stuttgart und hat Probleme, sich mit seinem Stürmer zurechtzufinden. Er ist nicht zufrieden mit Werner und kritisiert ihn öffentlich. Auch die Fans fangen im Abstiegskampf an, sich in Timo Werner ihren Sündenbock zu suchen. Vor Kurzem noch der gefeierte Publikumsliebling, dem der VfB den Stress fernhielt. Plötzlich fand er sich in einem schlechten Film wieder. Nie wollte er seinen Heimatclub verlassen. Nach dem Stuttgarter Abstieg, für den er einer der Hauptverantwortlichen sein sollte, tat er es dennoch. Denn er hatte noch immer diesen einen Traum: Seinem Vorbild Mario Gomez nacheifern. Titel gewinnen und Nationalspieler werden. In der zweiten Liga für einen Verein, wo weder Fans noch Verantwortliche an ihn glaubten? Das ist nicht sein Anspruch.

Timo Werner erlebt schwierige Zeiten beim VfB.

Erst geliebt, dann verjagt. © Imago

Er will spielen, sich entwickeln, immer besser werden und Tore schießen. Und er will, dass seine Trainer und vor allem seine Fans ihm vertrauen und ihn unterstützen. Diese Unterstützung findet er im Sommer 2016 in Leipzig. Zum ersten Mal geht es für den 20-Jährigen weg von Zuhause. Was am Anfang schwer fällt, ist nach wenigen Monaten Routine. Denn Werner kommt sofort an in Leipzig, auf und neben dem Platz. Nach ein paar Wochen sieht die ganze Liga: Hier spielt womöglich der beste deutsche Stürmer seit Langem. Aber dieser beste deutsche Mittelstürmer macht einen Fehler. Einen Fehler, für den er nicht sofort um Vergebung bittet. Im Dezember 2016 fällt Werner im Strafraum ohne Berührung. Es gibt Elfmeter, obwohl es eine klare Schwalbe des Youngsters war. Nach dem Spiel gibt er nicht zu, dass die Entscheidung des Schiedsrichters falsch war.

Ein junger Spieler hat einen Fehler gemacht. Er hat sich fallen lassen, weil er die Chance auf einen Strafstoß sah. Und er hat nach dem Spiel nicht sofort gesagt, dass es ihm leid tut. So etwas passiert in den Ligen dieser Welt alle zwei Wochen. Und so etwas ist auch eigentlich nicht weiter schlimm. Bei Timo Werner aber ist alles anders. Er wird über Monate hinweg beschimpft und ist plötzlich das Feindbild der Nation. Er erlebt ein Déjà-vu. Heute bewundert, morgen gehasst. Wie schon beim VfB ändert sich das Blatt schlagartig und Werner steht in seiner noch jungen Karriere vor einer riesen Herausforderung. Einer Herausforderung, an der viele in seinem Alter zerbrochen wären. Die Anfeindungen im Stadion, in den sozialen Netzwerken und in der Öffentlichkeit machen ihn stark. Die eigenen Fans stehen zu 100 Prozent hinter ihm. Der Druck, der plötzlich auf ihm lastet, härtet ihn ab. Er gewinnt der Situation etwas Positives ab, denn er weiß: Sogar in dieser schweren Phase habe ich weiter und weiter getroffen und bin immer besser geworden.

In Leipzig wird Timo Werner immer besser.

Er kommt, sieht und trifft. © Imago

Endlich angekommen in den Herzen der Fans

Es dauert, aber nach einigen Monaten legt sich der Trubel. Die Menschen erkennen: Timo Werner ist kein schlechter Mensch. Er hat einen Fehler gemacht und sich dafür entschuldigt. Neun Monate später ist er zurück in Stuttgart und spielt mit der Nationalmannschaft in der alten Heimat. Er ist unsicher, weiß nicht, wie er empfangen wird. Er hofft auf eine ruhige Stimmung. Und seine Hoffnung wird übertroffen. Dort, wo er einst vom Hof gejagt wurde, wird er gefeiert. Fußball Deutschland hat erkannt: Timo Werner ist nicht nur ein Jahrhunderttalent, er ist auch eine starke Persönlichkeit. Einer, der sich in jungen Jahren nie hat unterkriegen lassen. Aus seinen Fehlern gelernt und sich dabei nie verstellt hat. Er hätte nach der Schwalbe reumütige Posts in den sozialen Medien verfassen oder im Fernsehen auftreten können. Hätte sich lautstark dazu äußern oder die Schuld aufschieben können. Aber er ist der Timo Werner geblieben, der er immer war. Ruhig, zurückhaltend, fast schüchtern und dennoch stark und überlegt.

Er wird Vizemeister mit Leipzig, spielt Champions League, debütiert für Deutschland und wird beim Confed Cup-Sieg Torschützenkönig. Eine Geschichte wie im Märchen, die ihm selbst fast schon zu schnell geht. Für sein Land zu spielen, ist für ihn das Schönste überhaupt. In der Kabine sitzt er dann neben seinem Vorbild Mario Gomez. Früher hat er ihn bewundert, wie er ein Tor nach dem anderen erzielt hat. Saß vor dem Fernseher und wusste: Das will ich auch. Heute fahren sie zusammen zu Länderspielen. Und Gomez steht auf, um ihm viel Erfolg für das Spiel zu wünschen. Das Idol sitzt draußen auf der Bank, während er selbst auf dem Platz stehen darf. Gewünscht hat er sich das 2007, erwartet aber nicht. Er hat es erreicht, weil er immer wusste, wohin er will. Er hat es erreicht, weil er sich von Rückschlägen nicht hat beeinflussen lassen. Und er hat es erreicht, weil er immer an sich geglaubt hat.

Deutschland ist stolz auf Timo Werner. Niemand kommt mehr auf die Idee, ihn auszupfeifen. Sein Umgang mit dieser schwierigen Situation war der eines absoluten Weltklassespielers würdig. Dieser Weltklassespieler will er werden, denn er weiß: Besser geht immer. Zu gut werde ich nie sein, arbeiten kann ich jeden Tag an mir.
Deutschlands Stürmer waren überragend. Sie haben uns feiern lassen und uns vier WM-Titel geschenkt. Auch 2018 werden wir wieder jemanden haben, der für die besonderen Glücksmomente sorgt. Und jemanden, von dem wir stolz das Trikot tragen, weil wir wissen, wie gut dieser Junge sportlich wie menschlich ist. Wenn uns Timo Werner am 15. Juli zum Weltmeister schießt, wird auch Mario Gomez jubeln. Dann feiert Werner zusammen mit seinem großen Vorbild den größten Erfolg, den es im Fußball gibt. Dann ist es kein Traum mehr, sondern Realität.

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Welttorhüter

By Welttorhüter, WM-HeldenNo Comments

Wenn die besten Nationen der Welt gegeneinander spielen und jeder sein Bestes gibt. Wenn ein Tor mehr ist, als nur ein Tor und jeder Sieg sich besonders anfühlt. Wenn Gegner verzweifeln und Mitspieler staunen. Wenn die Masse nach Paraden tobt und die Stürmer nicht mehr weiterwissen. Wenn das Tor wie vernagelt scheint und jeder weiß: Da kommt kein Ball durch. Dann ist wieder WM. Dann ist nicht nur WM, dann ist WM mit Manuel Neuer.

Dieser Manuel Neuer ist unsere Nummer Eins. Und unsere Nummer Eins freut sich wie verrückt auf sein drittes Turnier. Lange musste er kämpfen und bangen, ob es nach seiner schweren Verletzung reicht. Aber die Mühen haben sich gelohnt. Unser Kapitän hat es geschafft und brennt darauf, den WM-Titel zu verteidigen.
Acht Monate, bevor der WM-Kader bekanntgegeben wird, bricht sich Neuer den Mittelfuß. Obwohl es bereits der zweite Bruch innerhalb kürzester Zeit ist, denkt niemand daran, dass der beste Torwart der Welt die WM verpassen könnte. Als er den Jahreswechsel noch immer auf Krücken verbringt, befürchten die ersten eine WM ohne ihn. Geplante Comebacks verzögern sich ein ums andere Mal. Bald weiß nicht einmal mehr Manuel Neuer selbst, wann er wieder Fußballspielen kann. Er muss seinem Körper die Zeit geben, die er braucht. Neuer tut sich schwer, einfach nur abwarten zu müssen.

Er verbringt die Zeit im Kraftraum und sieht seine Kollegen draußen auf dem Trainingsplatz. Genau hier will er wieder hin. Die Fußballschuhe schnüren, die Tore an ihren Platz schieben, sich jedem Ball entgegenwerfen. Jeden Tag rückt dieser Wunsch näher. Sein Stellvertreter Sven Ulreich beginnt mit dem Trainerwechsel, fulminant zu halten. Trainer, Mannschaft und Fans freuen sich für Ulreich. Am meisten aber freut sich Neuer über Ulles Leistungen. Manuel Neuer ist nicht nur Ehrgeiz, Manuel Neuer ist Herz und Leidenschaft. Ein Teamplayer, menschlich genauso stark, wie auf dem Platz. Er will, dass seine Bayern erfolgreich sind. Dass sie die Fans begeistern und ihre Träume verwirklichen. Und das geht nur, wenn der Fokus auf dem Team liegt. Neuer lebt die Werte des Sports, nicht umsonst ist er eine fußballerische und menschliche Galionsfigur. Er unterstützt Ulreich und zeigt, dass er weiß, was im Leben zählt. Aber er ist auch Profi. Und jeder Profi leidet, wenn er nicht selbst ins Geschehen eingreifen kann. Er will der Mannschaft helfen, will ihr Kraft geben und da sein, wenn es Rückschläge zu verkraften gibt. Er steht nicht auf dem Feld und trotzdem gelingt ihm dieser Support. Er ist Teil der Mannschaft. Und die Mannschaft spürt das. Er wird noch motivierter, zielstrebiger, stärker.

Auf dem Weg zum besten Torhüter der Welt

Ein Manuel Neuer fehlt jedem Team der Welt. Nicht nur als Torwart, sondern auch als Persönlichkeit. Vor allem als Persönlichkeit. Denn Manuel Neuer ist mehr als nur der Weltbeste zwischen den Pfosten. Er ist Vorbild, Führungsspieler, Motivator und Bezugsperson. Er lernt früh, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Ein 20-jähriger Nachwuchsmann steht 2006 plötzlich auf Schalke im Tor. Von jetzt auf gleich muss er sich beweisen. Vor über 60.000 Menschen, die seinen Namen schreien, muss er cool bleiben. Vertraut die Mannschaft ihrem Torhüter, kann sie ihre Spielweise entfalten. Für Neuer ist das Profidebüt etwas ganz Besonderes. Das ist es für jeden jungen Spieler, für ihn aber spielen große Emotionen mit. Schalke ist seine Heimat. Hier wurde er geboren, hat S04 lieben und leben gelernt. Ein Eigengewächs, das den Verein mit jeder Faser verinnerlicht? Ein Triumpf für die Schalker Fans. Sie glauben an ihren jungen Keeper und verehren ihn. Er ist einer von ihnen. Umso stolzer sind sie, dass einer von ihnen 2010 für Deutschland im Tor steht. Er spielt seine erste WM und überzeugt alle. Schalker, Dortmunder, Bayern.

Manuel Neuer wird bei Schalke zur Weltklasse.

Große Fußball-Abende mit seinem Jugendverein Schalke 04. ©Imago

Irgendwann aber sickert die Nachricht durch, dass Neuer bald nicht mehr einer von ihnen sein würde. Schalker Spieler dürfen wechseln. Aber bitte nicht nach Dortmund oder München. Doch ihr Idol macht genau das. Schließt sich dem FC Bayern an.
Der Abschied fällt Neuer sehr schwer. Er verlässt nicht nur seinen Verein, er verlässt seine Heimat. Er weint, als er verkündet, nicht in Gelsenkirchen zu bleiben. S04 ist für ihn Familie. Und diese Familie ist plötzlich wütend auf ihn.
Seine neue Familie in München braucht ein bisschen, bis sie ihn in ihr Herz schließt. Einige wollen ihn nicht haben, er hat Schalke einfach zu sehr im Blut. Es dauert nicht lange, bis die anfängliche Skepsis verfliegt. Manuel Neuer kommt als sehr guter Torhüter nach München und wird dort zu einer Legende. Große Siege bringen große Spieler hervor, große Niederlagen aber formen die ganz Großen des Sports, die Helden. Und Neuer wird ein Held. Er verliert 2012 alle möglichen Titel kurz vor dem Ziel, ist am Boden wie seine Teamkollegen auch. Zusammen stehen sie wieder auf. Zusammen gewinnen sie 2013 die Champions League. Zusammen wissen sie: Unsere Abwehr stand sensationell. Unser Mittelfeld hat großartige Chancen erspielt. Unser Sturm hat wunderschöne Tore erzielt. Unser Torhüter aber hat diesen großen Sieg erst möglich gemacht.

Neuer gewinnt 2013 alle Titel.

2012 alles verloren, 2013 alles gewonnen. © Imago

Tränen in Rio

Ein Jahr nach dem Gewinn der Champions League wartet die Krönung. Es ist WM, und diesmal will er nicht im Halbfinale ausscheiden. Das Geheimnis der WM 2014: Deutschland hat keinen klaren Star. Deutschland hat einen unglaublichen Zusammenhalt. Einen Zusammenhalt, in dem Manuel Neuer als herausragender Teamplayer eine Hauptrolle spielt. Er spricht mit seinen Mitspielern, ermutigt sie, baut sie auf und hilft. Jogi weiß: Er ist nicht nur meine Nummer Eins, er ist unersetzlich. Vorne stellt Klose einen Rekord auf und Müller trifft wie er will, in der Mitte sichern Kroos und Schweinsteiger ab, hinten steht das Duo Hummels/Boateng sattelfest. Und ganz hinten hat Deutschland seinen Welttorhüter.

Bei diesem Turnier zeigt Neuer nicht das, was man von ihm erwartet hat. Er zeigt viel mehr. Dinge, die vor ihm noch kein Torhüter gemacht hat. Er ist letzter Mann und Keeper in einem. Seine Abwürfe gleichen Flanken und sorgen für größte Gefahr. Sobald ein Ball auch nur in seine Nähe kommt, ist er vor dem Stürmer dran. Auf der Linie lassen seine Reflexe die Angreifer verzweifeln. Manuel Neuer gelingt bei dieser WM alles. Er zeigt ein Torwartspiel, das es so noch nie gab. Er liest das Spiel, erkennt Chancen und Gefahren sofort und spielt technisch überragend mit. Andere Nationen würden sich einen Sechser mit seinen Qualitäten wünschen. Für Deutschland ist das Turnier am späten Abend des 13. Juli vorbei. Und Manuel Neuer weint. Weint vor Glück, weil er auf dem Olymp des Fußballs angekommen ist. Deutschland wird Weltmeister und spätestens jetzt ist jedem klar: Dieser Neuer ist wirklich der beste Torhüter der Welt.

Neuer überragt beim WM-Titel 2014.

Welttorhüter wird endlich auch Weltmeister. © Imago

Er wird Welttorhüter. Nicht einmal, nicht zweimal, nicht dreimal. Viermal in Folge sichert er sich diese Auszeichnung.
Manuel Neuer hat alles gewonnen, als ihm der Mittelfuß im September 2017 erneut bricht. Nicht wenige fordern: Die WM 2018 soll ein anderer spielen, Neuer sei nicht fit genug. Auch er selbst zweifelt am Ende daran, ob ihm sein Körper diese Chance noch geben wird. Mit Marc-Andre ter Stegen stünde ein Keeper bereit, der beim FC Barcelona als „Messi mit Handschuhen“ verehrt wird. Und dieser Keeper ist zweifelsfrei ein Mann von Format, ein Mann der Weltklasse. Für Joachim Löw aber steht fest: Mein Kapitän ist dabei, wenn er fit ist. Sportlich mag man den Capt‘n vielleicht ersetzen können, Neuers Persönlichkeit und Ausstrahlung aber sind unübertroffen. Läuft ein Gegner auf ihn zu, sieht er nicht nur einen guten Torhüter vor sich. Er sieht einen nahezu Unüberwindbaren, der genau das ausstrahlt. Er hat das Wort in der Mannschaft und hält sie zusammen.

Der Stürmer weiß: Da steht Manuel Neuer im Tor, mit großer Wahrscheinlichkeit kann er meinen Schuss sowieso parieren. Und genau diesen Rückhalt verspricht er auch bei der Mission Titelverteidigung. Der Fuß hält. Er hat das Vertrauen der Trainer, der Mannschaft und der Fußballnation Deutschland. Neuer hat alles erlebt. Als Kind hat er den großen Traum, eines Tages Profi zu werden. Er will ein guter Torhüter werden, der seiner Mannschaft hilft. Ein guter Torhüter ist nicht aus ihm geworden. Sondern ein Torhüter, der besser ist, als all die anderen. Als Kapitän geht er voran und zieht die Mitspieler mit.

Die lange Leidenszeit hat er erfolgreich hinter sich gebracht, jetzt wartet die Belohnung. Eine Belohnung, von der auch ganz Fußball-Deutschland etwas hat. Manuel Neuers Vorfreude auf die WM teilt er mit der ganzen Welt. Wir freuen uns auf Tore, er freut sich darauf, sie zu verhindern. Er hat wieder Hunger. Er will in Russland da weitermachen, wo er in Rio aufgehört hat. Wenn unsere Kinder später einmal fragen, wieso wir denn gleich zweimal hintereinander Weltmeister geworden sind, wird es nur eine Antwort geben: Weil wir Manuel Neuer hatten und die anderen nicht.

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Unverwechselbar

By AllgemeinNo Comments

„Schaut, es ist passiert. Aber nächstes Jahr holen wir uns den Pokal. OK?“

Welche Worte findet man in der dunkelsten Stunde eines Fußballerlebens? Findet man überhaupt welche? Irgendjemand muss sie finden. Die Worte, die die Mannschaft wieder aufrichten. Du brauchst als Trainer viele Spielertypen. Den lustigen Entertainer, den Erfahrenen, einen agressiv leader, den jungen Unbekümmerten und den, der sich immer vor die Mannschaft stellt. Von jedem Spielertyp hat man in der Regel mehr als nur einen. Spielerisch hast du die Wahl aus technisch versierten, torgefährlichen und zweikampfstarken Profis. Jeder Spieler ist irgendeiner Kategorie zuzuordnen. Mancher fühlt sich gar in mehreren wohl.

Und dann gibt es den einen, der ganz anders ist. Unverwechselbar. Einzigartig. Einen, den es so nie mehr wieder geben wird. Der so gut ist, dass man sagen kann: „Müller spielt immer“.
Dieser Müller schafft etwas Besonderes. Fast alle mögen ihn. Bei einem Spieler des FC Bayern ist das wahrlich etwas Erstaunliches. Und dieser Müller ist jemand, den man unbedingt in seiner Mannschaft haben will, spielerisch wie menschlich.
Beim FC Bayern steht er auf einer Stufe mit Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm. Ohne Müller? Kein Fan kann sich diese Situation vorstellen. „Müller spielt immer“, sagt Louis van Gaal über seinen 19-jährigen Spieler. Er wirft einen unbekümmerten Nachwuchsspieler ins kalte Wasser. Am Ende der Saison ist Thomas Müller 20. Hat das Double gewonnen und stand im Finale der Champions League. Hat 13 Treffer erzielt und 11 vorbereitet. Und steht im Kader für die Weltmeisterschaft in Südafrika. Ein erstes Jahr, das für viele ein absoluter Traum ist. Müller darf diesen Traum leben. Kurz vor der WM testet die DFB-Elf gegen Argentinien. Trainer Diego Maradona weigert sich, mit Thomas Müller zu erscheinen. Die argentinische Legende kennt ihn nämlich nicht. Wenig später lernt Maradona ihn kennen. Deutschland gewinnt mit 4-0 gegen seine Argentinier und die Presse titelt: „Diego, der Junge heißt Müller“.

Müller erlebt in seinem ersten Profijahr mehr, als die meisten Spieler in ihrer ganzen Karriere. Er feiert zwei Titel, lebt den Glanz einer WM und wird von seinen Fans sofort als Publikumsliebling gefeiert. Aber er lernt auch, wie sich bittere Niederlagen anfühlen. Das Champions League Finale verliert er gegen Inter Mailand, in Südafrika siegt Spanien im Halbfinale. Er muss früh lernen, wie man mit Rückschlägen umgeht. Als Shootingstar steht er jetzt im Mittelpunkt und muss von heute auf morgen damit zurechtkommen.
Die Unbekümmertheit, die er auf dem und neben dem Platz zeigt, wird sein Markenzeichen.
Für viele ist Thomas Müller ein Spaßvogel. Einer, der locker mit Problemen umgeht und immer gute Laune hat. Aber kein Führungsspieler.

THomas Müller ist das Aushängeschild des FC Bayern.

Nur wenige Monate nach seinem Debüt steht fest: Bayern ohne Müller? Geht nicht. ©Imago

Die Saison 2011/12 ist erst die dritte für Müller, aber die schwerste. Seine Bayern verlieren alle Titel. Er ist kurz davor, der große Held zu werden. Trifft im Finale der Champions League sieben Minuten vor Schluss. Sein Verein, seine Stadt und seine Fans sind kurz davor, sich unsterblich zu machen. Aber Müller muss später von der Bank aus verfolgen, wie das Spiel verloren geht. München versinkt in einem Tränenmeer, der Klub steht völlig unter Schock. Müller ist am Boden zerstört. Weint mit seinem Verein, den er von Kindheitstagen an so sehr liebt. Weint als Spieler und als Fan. Er ist erst 22, aber er weiß: Es muss weitergehen. Wir müssen aufstehen und es nächstes Jahr besser machen. Es ist Thomas Müller, der seine Mannschaft wieder aufrichtet und allen eine SMS schickt.

Führungspersönlichkeit

Müller weint ein Jahr später wieder. Diesmal steht er auf der Seite der Gewinner. „Nächstes Jahr holen wir uns den Pokal“ hatte er seiner Mannschaft versprochen. Und er behält Recht. Nach den herben Rückschlägen des Vorjahres haben alle an seine Worte geglaubt und waren zusammen wieder aufgestanden.
Mit 23 Jahren ist Thomas Müller nicht mehr einfach nur der lustige Stürmer, der mit den Medien spielt. Mit 23 Jahren ist er bereits zu einem Führungsspieler gereift, dessen Wort Gewicht hat. Ein Führungsspieler, der Verantwortung übernehmen soll, als es im Juni 2014 nach Brasilien geht. Kaum ein Stammspieler ist jünger als er. Trotzdem gehört Müller mit Schweinsteiger, Neuer und Kroos zu den Stellvertretern von Kapitän Philipp Lahm. Die fünf WM-Tore von 2010 wiederholt er, steht am Ende im Finale gegen Argentinien. Diego Maradona weiß diesmal ganz genau, wer er ist.
Mittlerweile ist er 24. Und hat alles gewonnen.

2013 gewinnt Müller alle Titel mit den Bayern.

Tränen des Glücks. Der Titel in der Champions League macht Müller sprachlos. ©Imago

Das, was Müller auf dem Platz ausmacht, zeichnet ihn auch abseits des Rasens aus. Gradlinig, selbstkritisch und trotzdem locker. Ehrgeiz, Disziplin und Spaß am Fußball, das ist Thomas Müller. Und das lernt er sehr früh. Er möchte nicht bei irgendeinem Verein spielen. Er möchte bei seinem FC Bayern spielen. Und das gelingt ihm auch. Mit 10 Jahren kommt er an beim großen FCB. Hier lernt er das, was später so wichtig werden würde. Man erlebt hartes Training, feiert große Siege. Aber man leidet auch. Man verliert und muss lernen, wieder aufzustehen. Er lernt, was es heißt, ein Fußballprofi zu werden. Die Fans erwarten Tore und Siege, die Medien erwarten Präsenz, der Spieler selbst erwartet, er selbst zu bleiben. Müller wächst sehr früh in seinen Traum hinein. Er realisiert gar nicht richtig, dass er auf einmal Profi ist. Bei dem Verein, dem er seit frühster Kindheit die Daumen drückt.

Aushängeschild eines Weltvereins

Er kommt, sieht und trifft. Nach wenigen Jahren kommt es den Bayernfans so vor, als sei er schon immer da. Thomas Müller ist der FC Bayern und der FC Bayern ist Thomas Müller. Eine steile Karriere, Tore am Fließband, Titel über Titel und eine Ausnahmestellung bei den Fans. Aber er kennt auch andere Zeiten. Zeiten, auf die er sich nicht vorbereiten kann. Nicht mehr zu treffen, das kannte Thomas Müller nicht. Kurz vor Weihnachten 2016 erzielt er seinen ersten Saisontreffer. Alle wollen den geplatzten Knoten sehen, doch bis zum nächsten Tor dauert es bis März. Er spielt wie immer, doch vor dem Kasten gelingt ihm einfach nichts mehr. Bälle, die früher vom Pfosten ins Netz sprangen, bleiben jetzt vor der Linie. Schüsse treffen nur noch die Latte, jede kleine Situation scheint gegen ihn zu laufen. Er verzweifelt an seiner Misere. Seine Mitspieler versuchen, ihm die Bälle so gut wie möglich aufzulegen, aber es soll einfach nicht sein. So sehr ihm die Flaute auch zusetzt, so sehr erkennt man, wie wertvoll er abseits der Tore ist. Müller sieht Räume, die sonst niemand erahnt. Er kontrolliert diese Räume und verschiebt das Spiel. Eine Qualität, die in kaum einer Statistik berücksichtigt wird. Triffst du als Stürmer nicht, bist du außer Form. Am Ende der Saison stehen lediglich fünf Tore zu Buche. Über die 14 Assists sprechen nur wenige.

„Müller spielt immer“ werden wir wohl auch bei der WM wieder beobachten. 2010 war er Shootingstar, 2014 Führungsspieler. Und 2018 ist er stellvertretener Kapitän. Er weiß, wie man Titel gewinnt. Weiß, wie man mit Niederlagen umgeht. Weiß, wie es ist, wenn außer dem eigenen Umfeld niemand an einen glaubt, wenn das Glück gerade einmal mehr da ist. Und vor allem weiß er, wie man sich dieses Glück wieder erarbeitet. Ein Stürmer, wie ihn sich jede Nation nur wünschen kann. Als Spieler, Motivator, Entertainer und Ratgeber. Thomas Müller ist kein sehr guter Spieler, er ist ein Weltklassespieler.

Deutschland wird Weltmeister, Thomas Müller erzielt 5 Tore.

13. Juli 2014, Rio de Janeiro. Müller ist am Ziel aller Fußballerträume. ©Imago

Geht seine WM-Serie weiter, sehen wir in Russland wieder fünf Müller-Tore. Jogi Löw jedenfalls weiß, was er an diesem Stürmer hat. Er ist anders als alle anderen. Ob manche Tore geplant waren oder es doch völlig verunglückte Flanken sein sollen? Sind die Laufwege wirklich einstudiert oder sieht es einfach nur kurios aus? Stolpert er gegen Algerien 2014 über den Ball oder war es wirklich ein Freistoßtrick? Man weiß es nicht. Denn Thomas Müller ist unberechenbar, einzigartig, unverwechselbar. Und mittlerweile ist er alles: Der Erfahrene, der Unbekümmerte, der agressiv leader, wenn es mal sein muss, und der, der sich immer vor seine Mannschaft stellt. Er vereint alle Spielertypen und ist doch wieder seine eigene Kategorie.

Fünf Müller-Tore brauchen wir. Einer soll besser sein und Müller damit den Goldenen Schuh wegschnappen. Und dann wird er uns den Müller liefern, den wir alle lieben: „Des interessiert mi ois ned der Scheißdreck! Weltmeister samma, den Pott hamma! Den scheiß goldenen Schua konnst da hinter d’Ohren schmiern!“

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Musterprofi

By Allgemein, Musterprofi, WM-HeldenNo Comments

Es war ein Dreiergespann, das sich jeden Morgen zur Arbeit aufmachte. Vater Hermann war Trainer, die Söhne Mats und Jonas trainierten in ihren Jugendteams. Irgendwann wollten sie alle drei zusammen Erfolge feiern. Nicht nur im gleichen Verein aktiv sein, sondern ein und denselben Titel gewinnen. Mats und Jonas hatten große Pläne. Deutscher Meister, Champions League, vielleicht sogar der WM-Titel? Eines Tages wollten sie zusammen ganz oben stehen. Während einer all diese Ziele erreichte, musste der andere verstehen: Ich werde meine Erfolge außerhalb des Platzes feiern. Während Mats ein Weltstar wird, geht es für Jonas nach schweren Verletzungen mit dem Fußball nicht weiter. Er macht sein Abitur, studiert und bleibt dem Fußball als Experte treu. Die beiden sind stolz auf sich und ihren Werdegang, auch, wenn er unterschiedlicher ist, als er zunächst werden sollte.

Die Geschichte der Brüder Mats und Jonas Hummels ist oft erzählt: Mats gewinnt alle Titel mit Dortmund und Bayern, Jonas spielt in Unterhaching und beendet seine Karriere früh. Eine Diskrepanz, die Mats Hummels nicht immer wieder aus der Schublade holen möchte. Ja, er ist erfolgreicher als der kleine Bruder, aber sportliche Wertschätzung steht nicht ganz oben bei ihm. Erst recht nicht, wenn es um Familie und Freunde geht. Die starke Persönlichkeit, die Hummels geworden ist, hat er vom kleinen Bruder gelernt.
Mats Hummels ist das, was man einen Weltstar nennt. Ausgebildet beim FC Bayern, zum Unverzichtbaren gereift bei Borussia Dortmund. Er verbringt nach dem Familienumzug seine Kindheit und Jugend in München, der FC Bayern ist sein Zuhause. 2007 darf er zum ersten und einzigen Mal für den Rekordmeister auflaufen. Am letzten Spieltag, als die Saison für Bayern bereits gelaufen ist. Nicht der Anspruch des jungen Verteidigers, den es daraufhin nach Dortmund zieht. Weg von Zuhause und weg von Bruder Jonas. Nach Weihnachten 2007 steht der große Umzug an. Anfangs verbringt Mats jeden freien Tag in München, das Heimweh verleugnet er auch Jahre später nicht. Keine leichte Zeit für den damals 19-Jährigen, der auf Grund von Verletzungen nur langsam in Schwung beim BVB kommt. Mit 20 gelingt ihm dann das, wovon er in der Jugend in München immer geträumt hatte: Er wird Stammspieler in der Bundesliga und darf endlich zeigen, was er kann. Neben ihm: Kollege und guter Freund Neven Subotic. An der Seitenlinie: Jürgen Klopp. Kaum angekommen in Dortmund, geht es für den jungen Verteidiger Schlag auf Schlag. Er wird 2011 mit dem BVB sensationell Deutscher Meister, auf einmal ist Hummels im Pott ein Superstar, der überall erkannt und belagert wird. Bruder Jonas freut sich daheim in München riesig über den Erfolg von Mats. Für Mats geht der Traum weiter. Im Jahr 2012 holt er das Double, besiegt seinen Jugendverein Bayern München im Finale mit 5:2. Ein weiterer Höhepunkt lässt nicht lange auf sich warten, Hummels spielt die EM 2012 und verpasst keine Sekunde des Turniers. Mit 24 Jahren ist er einer der beliebtesten und meist umworbenen Bundesligaspieler, sein Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Aber Hummels bleibt in Dortmund, wo er zu einer starken Führungspersönlichkeit reift. Er wird zu einem Spieler, dessen Wort Gewicht hat. Der ausspricht, wenn ihm etwas nicht passt. Der sich klar positioniert und anecken kann. Und der von den Fans für genau diese Dinge geliebt wird.

Spieler. Kapitän. Fanliebling. Vorbild. Hummels beim BVB © Imago

Ein ganz normaler Weltmeister

 

Hummels wird zu einem, der unverzichtbar für das größte sportliche Ziel überhaupt ist. Er soll die Mannschaft zum WM-Titel tragen. Als Anführer, vor dem die Gegenspieler gehörigen Respekt haben. Und Hummels macht das, was von ihm erwartet wird. Bruder Jonas sitzt Zuhause vor dem Fernseher und drückt die Daumen. Mats kämpft in Brasilien vier Wochen lang für den größtmöglichen aller Titel. Läuft, grätscht, verteidigt, köpft zwei Tore und steht letztendlich im Finale. Ein besonderer Tag. Nicht nur für die DFB-Elf und jeden Fußballfan der Welt, sondern erst recht für den Bruder. Für den Bruder, der nach dem Titelgewinn offen sagt: Es war komisch. Komisch zu wissen, wie gut der Ältere geworden war und dass die sportliche Ungleichheit nun ihren Höhepunkt erreicht hatte.

Doch genau hier zeigt sich der Mensch Mats Hummels. Auf dem Platz strebt er nach Perfektion und ständigen Weiterentwicklung. Hier will er der Beste sein. Hier ist er ein Weltstar. Neben dem Platz ist er nur wenig von diesem Weltstar zu sehen. Er stellt Freunde und Familie über alles andere. Kurz nach dem WM-Titel ist er in Frankreich im Urlaub, als sich Bruder Jonas wiederholt das Kreuzband reißt und weiß: Das war’s. Mats, vor wenigen Tagen noch der glücklichste Mensch der Welt, ist genauso am Boden zerstört, wie Jonas. „Ich würde diesen Titel dafür hergeben, dass er jetzt gesund spielen kann“. Ein Moment von vielen, in dem Mats Hummels merkt: Er ist nicht Zuhause. In München ist er aufgewachsen und vermisst diese Heimat.

Die Rückkehr zur alten Liebe. © Imago

Er fühlt sich wohl in Dortmund, aber irgendwann siegt der Wunsch nach der Heimat. Mit seiner Frau Cathy, die ebenfalls aus München stammt, geht es 2016 zurück zu den Wurzeln. Bei den Fans des BVB kommt das weniger gut an, die Rivalität zum FC Bayern ist einfach zu groß. Aber Hummels stellt sich der Kritik. Macht das, was er immer tut. Er begründet seine Entscheidung und lässt sich von den Anfeindungen nicht aus der Ruhe bringen. Geld, so werfen es ihm viele Dortmunder vor, sei der Antrieb. Familie, so erklärt Hummels aber, ist der wahre Grund. Geburtstage mit der Familie feiern, den engsten Freundeskreis regelmäßig sehen. Er will wieder ein Teil von der Gemeinschaft sein, die ihn zu Beginn seiner Karriere unterstützt und begleitet hat. Will wieder zu den Menschen gehören, die ihn stark gemacht haben. Die der Grund dafür sind, dass er die straighte und ehrliche Führungspersönlichkeit stets in sich getragen hat. Zuhause, das ist für Hummels dort, wo Familie ist.

Vorbild, vor allem neben dem Platz

 

Der Fußballprofi Mats Hummels ist sich seiner Vorbildsfunktion nicht nur bewusst, er lebt diese Rolle auch mit Authentizität. Natürlich ist er als Weltmeister in den sozialen Netzwerken Zuhause. Aber er macht eines anders, als viele seiner berühmten Kollegen. Fotos von Luxusautos oder teuren Yachtpartys sucht man bei ihm vergebens. Mats Hummels lebt, abgesehen vom unbestritten Gehalt, wie Du und Ich. Seit Jahren im millionenschweren Fußballgeschäft unterwegs, wandert das meiste Geld auf ein Sparkonto, nur in Immobilien investiert der Innenverteidiger. Smart, clever und charakterstark. Auf wie neben dem Platz. Ein Prozent seines Gehalts wandert zur Organisation „Common Goal“. Einer Stiftung, die Fußballer dazu bewegen möchte, ein Prozent zu spenden, um weltweit zu helfen. Streetfootballworld ist Nutznießer dieser Initiative. Fußball soll helfen, die Welt zu verbessern. Mats Hummels ist einer von Wenigen, die der noch jungen Bewegung folgen. Ein Projekt, das er verkörpert und vorlebt. Auch als Unicef-Botschafter ist er seit Jahren unterwegs und setzt sich für die Bildungsförderung ein. Aber er trägt sein Engagement nicht in die Welt hinaus. Er hilft, ohne dafür gelobt werden zu wollen. Er hilft, ohne groß darüber zu sprechen. Ehrgeiz, Disziplin und das Streben nach dem maximalen Erfolg zeichnen den Spieler Mats Hummels aus. Gleichermaßen aber auch Gradlinigkeit, Persönlichkeit und Fairness. Viele seiner Kollegen sind Styling-Vorbilder, Social-Media-Stars oder Kultfiguren. Nicht selten sind Fußballspieler bereits zu waschechten Marken geworden. Nicht das, was Mats Hummels will. Mats Hummels ist Fußballer. Ist ein Mensch, der sich treu bleibt. Ist eine Persönlichkeit, die stark ist.

Intelligenter Spieler, weitsichtiger Mensch. © Imago

Und Mats Hummels ist Weltmeister. Einer der besten Verteidiger, die es gibt. Aber das will er auch bleiben. Und das erfordert eine Kombination seiner Charaktereigenschaften. Die Gradlinigkeit aus dem täglichen Leben bringt er zusammen mit dem sportlichen Ehrgeiz auf den Rasen. Nichts ärgert ihn mehr, als eigene Fehler. Er erwartet fehlerlose Spiele und nimmt den Fußballer Hummels selbst in die Kritik. Auch in Russland strebt er nach dem perfekten Verteidigen. Für sich, seine Mannschaft, seine Fans, seine alten Freunde und natürlich seine Familie. Den großen Traum, mit Bruder Jonas Titel zu gewinnen, mussten beide begraben. Auf dem Feld werden sich beide nicht in den Armen liegen, um große Siege miteinander zu feiern. Jonas aber weiß: Wenn Mats den Traum verwirklicht und den WM-Titel verteidigt, ist er mit dabei. Nicht auf dem Feld, aber im Herzen. Denn das Leben außerhalb des Fußballplatzes zählt mehr, als jede Minute ohne Gegentor. Das ist keine Floskel, das ist Mats Hummels.

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Kometenhafter Aufstieg

By Allgemein, Kometenhafter Aufstieg, WM-HeldenNo Comments

Ein kleiner Junge und seine Freunde hatten einen Traum: Sie wollten Fußball spielen. Jeden Tag, jede freie Minute, so oft wie möglich. Sie wollten sich wie die großen Stars fühlen und bauten sich ihr eigenes kleines Stadion. Die Siebenjährigen eiferten den großen Legenden nach. Zidane und Schweinsteiger, wie es auf den Trikots stand, spielten in den Köpfen der Kinder immer mit. So wollten sie auch sein. Fußball sollte ihr Leben bestimmen, das wollten sie ein Leben lang machen. Aber nicht auf ihrem selbstgebauten Fußballplatz, nein. Sie wollten bis ganz nach oben. In die großen Stadien dieser Welt. Die Fans sollten ihnen zujubeln. Sie sollten Trikots tragen. Nicht mit Zidane oder Schweinsteiger auf dem Rücken, sondern mit ihren eigenen Namen.

Die Kinder träumten alle davon: Sie wollten Fußballprofi werden. So, wie es sich fast jeder siebenjährige Junge wünscht. Für einen der Freunde ging dieser Traum einige Jahre später in Erfüllung. Er hat es geschafft. Er darf auflaufen in Europas schönsten Stadien. Ihn verehren kleine und große Fans, sie tragen seinen Namen auf ihrem Trikot.
Joshua Kimmich ist innerhalb kürzester Zeit zu einem der unentbehrlichsten deutschen Fußballer geworden.
„Believe in yourself“. Dieses Motto begleitet ihn schon ein Leben lang. Als er in der Nähe von Stuttgart aufwächst, lebt er das typische Leben eines siebenjährigen Kindes. Raus auf den Fußballplatz, jeden Tag! Es dauerte nicht lange, bis sich das Talent herumgesprochen hatte. Joshua Kimmich geht den klassischen Weg der Fußballausbildung, als der VfB Stuttgart sich das Juwel 2007 angelt. Mit zwölf Jahren beginnt nun also der Weg zum Profi. Ein steinerner, das wusste der Teenager. Viele Spieler schaffen es nicht vom Jugendspieler zum Profil.
„Believe in yourself“. Nur so, wusste der Zwölfjährige, kann er es schaffen.

Der Durchmarsch von der Jugend bis hin zum Stammspieler in der A-Mannschaft, das war das, was sich alle Nachwuchskicker des VfB wünschten. Auch Joshua Kimmich. Mit 18 aber liegen auf dem sonst so freien Weg plötzlich Steine. Stuttgart entschied: Du bist nicht gut genug, die körperliche Konstitution reicht nicht. Er durfte nicht zur zweiten Mannschaft und wusste: Das ist nicht das, wonach ich strebe. Ich will mehr. Und auch Ralf Rangnick wollte mehr. Er wollte Kimmich zu RB Leipzig holen. Im Sommer 2013 also ging es für den gerade volljährig gewordenen Jungstar nach Sachsen. Allein. Raus aus der Komfortzone, weit weg von Freunden und Familie. Kein leichter Schritt, aber er wusste: „Believe in yourself“.

Mit 18 Jahren wechselt Kimmich zu RB Leipzig.

Der Traum vom Profi beginnt in Leipzig. © Imago

Vom Teenager zum Weltstar in nur vier Jahren

 

Heute, nur fünf Jahre später, wird Kimmich in einem Satz mit Marcelo, Dani Alves oder Philipp Lahm genannt. Ist 55 Millionen Euro wert und damit der fünft teuerste Feldspieler der DFB-Elf. Ist dreimaliger Deutscher Meister mit einer absoluten Stammplatzgarantie. Sowohl beim FC Bayern als auch im Nationalteam ist Kimmich gesetzt, ein Spieler seiner Klasse ist nur schwer zu finden. Worauf basiert sein Erfolg? Mit 23 Jahren ruft Kimmich konstant gute Leistungen ab. Spielt, als wäre er schon jahrelang im Kreis der Arrivierten dabei. Nicht viele Spieler in seinem Alter strahlen seine Souveränität aus. Seine absolute Siegermentalität hat er bereits als Kind verinnerlicht: Er kann absolut nicht verlieren. Duelliert er sich mit Freunden in anderen Sportarten, braucht er immer einen Wettkampfcharakter. Wo wäre er bei dieser Denkweise besser aufgehoben, als beim FC Bayern?

Nach seinem Wechsel zu RB Leipzig steigt Kimmich gleich im ersten Jahr auf. Die zweite Mannschaft des VfB, zu der er nicht durfte, spielte in der dritten Liga, er selbst darf 2014 eine Klasse höher antreten. Nach der Rückrunde bekommt Kimmich einen Anruf. Sein Berater will ihm von einem Angebot erzählen. Einem Angebot des FC Bayern München, dort, wo Pep Guardiola Trainer ist und Kimmich unbedingt verpflichten möchte. Zu schlecht für die zweite Mannschaft des VfB, ein Jahr dritte und ein halbes Jahr zweite Liga. Und dann ruft der FC Bayern an? Ja, dann rief der FC Bayern an. Wenig später sitzt Joshua Kimmich mit Pep zusammen. Ein Szenario, dass sich der damals 19-Jährige nicht im Traum ausgemalt hatte. Damals mit sieben Jahren auf dem Bolzplatz vielleicht, aber nicht jetzt, kurz nach dem Start seiner Profikarriere. Mit 20 Jahren kommt er an beim deutschen Rekordmeister. Spielt mit Weltmeistern und Champions League Siegern zusammen. Darf von Spielern wie Xabi Alonso, Manuel Neuer, Thomas Müller oder Arjen Robben lernen. Und das alles unter Pep Guardiola, einem der besten Trainer der Welt. Als Mittelfeldspieler ist es beim FC Bayern nicht immer einfach, die Konkurrenz ist immens. Zum Zug kommen viele junge Spieler erst, wenn sich die Stammkräfte verletzen. Auch bei den Bayern passierte das. In der entscheidenden Phase der Saison fallen Leistungsträger verletzt aus, sodass Kimmich aushelfen muss. Der Unterschied: Kimmich ist plötzlich Innenverteidiger. Mit 1,76m und 72kg sollte er das Abwehrzentrum schützen. Etwas, das er vorher noch nie gemacht hat. Im Gegenteil, in jungen Jahren schoss er die Tore anstatt sie zu verhindern. Aber Pep macht etwas. Pep vertraut Joshua. Pep vertraut ihm so sehr, dass er über sich hinauswachsen kann und die ungewohnte Position mit Bravour bekleidet. Believe in yourself. Und Kimmich glaubt an sich. In der Champions League muss er gegen Morata, Mandzukic und Cuadrado bestehen. Und er besteht glänzend. Im Pokalfinale gegen Dortmund kann Pep Guardiola auf zwei gelernte, wieder genesene Innenverteidiger zurückgreifen, aber er macht es nicht. Er vertraut wieder auf Kimmich. Und wieder zahlt sich das Vertrauen aus. Im Elferschießen vergibt er und lernt daraus, deutscher Pokalsieger mit den Bayern wird er trotz seines vergebenen Elfers. Nach dem Sieg im DFB-Pokal darf er mit zur Europameisterschaft. Nach nur einem einzigen Einsatz zuvor steht er ab dem dritten Gruppenspiel auf dem Rasen und überzeugt als Rechtsverteidiger. Im Viertelfinale gegen Italien wartet dann wohl die größte Prüfung seiner noch jungen Karriere auf ihn. Gegen den Angstgegner geht es ins Elfmeterschießen, nach den ersten fünf Schützen steht es Unentschieden. Der Druck, der an diesem Abend auf den deutschen Spielern liegt, ist groß. Die Italiener kommen zuerst, Jogis Jungs müssen immer nachziehen. Und dann ist Kimmich an der Reihe, der weiß: Verschieße ich wie gegen Dortmund, sind wir raus. Dann haben wir wieder einmal gegen Italien verloren, und ich als Fehlschütze bleibe in Erinnerung. Believe in yourself. Und hau ihn einfach rein. Und er macht genau das. Steht Gianluigi Buffon, einem der besten Torhüter aller Zeiten, gegenüber, und haut ihn einfach rein. Die DFB-Elf gewinnt am Ende und der Italienfluch war besiegt.

 

Kimmich eilt im Verein von Erfolg zu Erfolg und glänzt auch im Nationalteam.

Double mit dem FC Bayern, EM 2016. Eine beeindruckende Saison. © Imago

Niederlagen tun weh, aber sie bringen dich weiter

 

Gewinnt das Halbfinale, nicht aber das Turnier. Eine Niederlage, die Kimmich weh tut, denn verlieren ist immer gleich schlimm. Verlieren lernen wird er nie, mit dem Verlieren umgehen aber lernt er beim FC Bayern. Pep Guardiola, für den er wie ein Sohn war, verlässt die Bayern im Sommer 2016. Kimmich bekommt mit Carlo Ancelotti einen neuen Trainer, einen nicht minder erfolgreichen. Die Saison fängt gut an für ihn, wie in Kindertagen schießt er plötzlich auch Tore wie am Fließband. Irgendwann aber werden seine Einsätze weniger, er ist ein Mittelfeldspieler unter vielen. In den wichtigen Champions League Spielen gegen Real Madrid ist er nicht gefragt. Dann verlässt beim FC Bayern eine Klublegende die Bühne. Philipp Lahm beendet seine Karriere und sein Platz als rechter Verteidiger wird frei. Kimmich kann Rechtsverteidiger, nicht erst seit der EM. Und Kimmich wird der neue Rechtsverteidiger. Obwohl es unter Carlo Ancelotti zu Beginn der Saison so gar nicht läuft, macht er seinen Job gut. Als Jupp Heynckes übernimmt, macht er seinen Job besser. Kimmich steigert sich von Spiel zu Spiel und gilt mittlerweile als einer der besten Außenverteidiger der Welt. Und das, obwohl er eigentlich Sechser ist. Seine persönliche Leistung ist ihm wichtig, Titel mit der Mannschaft aber sind wichtiger. Niederlagen tun ihm dann am meisten weh, wenn sie das ganz große Ziel kurz vor dem Erreichen zerstören. Er trifft gleich zweimal gegen Real im Champions League Halbfinale, ist mit dem FC Bayern das engagiertere Team. Trotzdem scheitern sie zusammen. Kimmich weint. Auch das Pokalfinale verliert er. Und wieder weint Kimmich. Verlieren, das wird er nie können. Das will er nie können, denn der Antrieb, der ihn zu Siegen treiben soll, wird immer größer sein. Schon als Kind wollte er als Gewinner den Platz verlassen, und das in jedem einzelnen Spiel. So wie seine Vorbilder Bastian Schweinsteiger und Thomas Rosicky.

Kimmich hat an Niederlagen zu knabbern.

Verlieren lernen. © Imago

Diesen Siegeswillen braucht er auch jetzt, wo er seine erste WM spielt. Nach den Enttäuschungen der verlorenen KO-Spiele strebt er nun erst recht nach einer Wiedergutmachung. Als dreifacher Meister mit 23 Jahren Stammspieler bei der WM sein? Davon werden alle Siebenjährigen in seiner Heimatstadt Bösingen heute träumen. So, wie er damals davon geträumt hat. Er wollte, dass Zehntausende im Stadion seinen Namen schreien und hat sich vorgestellt, wie die Menschen mit seinen Trikots auf der Tribüne stehen. Er hat genau das erreicht. Und kann jetzt auch noch Weltmeister werden. Es ist ein langer Weg bis ins Finale nach Moskau, es wird gegen die Besten der Welt gehen. Aber Kimmich weiß: Wenn alle an sich glauben, wird der Traum wahr. Believe in yourself. Und dann werden Hunderttausende Menschen den Titel feiern, viele davon mit seinem Namen auf dem Rücken.

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Stilsicher

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Mitten in Berlin treffen sich Ende der 90er Jahre zwei Brüder, um zusammen Fußball zu spielen. Die beiden wachsen in unterschiedlichen Familien auf, obwohl sie fast gleich alt sind. Der Ältere ist damals 12, der andere 10. Und der Ältere kann was, das der Jüngere nicht kann: Er ist beidfüßig. Schießt mit links genauso gut, wie mit rechts. Traurig fährt der 10-Jährige zurück nach Hause. Drei Monate später treffen sich die Brüder wieder, spielen wie damals gemeinsam auf dem Fußballplatz. Doch eines ist anders: Der Jüngere schießt plötzlich mit links genauso gut, wie mit rechts.

Die beiden Brüder auf dem Berliner Fußballplatz heißen Kevin-Prince und Jerome Boateng. Und Jerome, so erzählt Prince, habe in jungen Jahren schon gewusst: Wer nicht an seinen Schwächen arbeitet, wird nichts Großes erreichen. Andere 10-Jährige wären wütend geworden, wenn der große Bruder mehr kann. Hätten geweint oder sich gestritten. Nicht aber Jerome. Jerome blieb ruhig, machte die Schmach nur mit sich selbst aus und trainierte wie verrückt, um diese Schwäche abzustellen. Diese Eigenschaft hat er sich bis heute behalten. Boateng redet wenig über Rückschläge, lieber arbeitet er an sich, um gemachte Fehler nicht zu wiederholen.
Der Fußballer Boateng hat fast alles gewonnen. Viel mehr, als er es sich nach dem Training des linken Fußes damals hätte ausmalen konnte. Drei Jahre nach der erlernten Beidfüßigkeit geht es für Jerome zur Berliner Hertha. Kurz vor seinem 19. Geburtstag verlässt er seine Geburtsstadt, um sich beim HSV in der Bundesliga etablieren zu können. Die Fußballwelt merkt schnell: Hier wächst ein großes Talent heran. Nach drei Jahren in Hamburg wagt er den Schritt auf die Insel zu Manchester City. Glück bringt ihm dieser Wechsel aber nicht, trotz des Pokalsieges zieht es ihn zurück nach Deutschland. Nicht irgendwo hin, sondern zum Rekordmeister nach München. Und hier in München schlägt er auf Anhieb ein, schafft es direkt zum Stammspieler.

Niederlagen machen ihn stark für die grossen Siege

Sein erstes Jahr beim FC Bayern nimmt eine grausame Endung. Boateng muss miterleben, wie er mit seinen Teamkollegen in allen Wettbewerben zweiter wird. Oder anders gesagt: Er verliert sowohl das Finale im Pokal als auch das in der Champions League. Er verliert das Endspiel um die Königsklasse nicht irgendwo oder irgendwie. Er verliert es auf dramatische Art und Weise im eigenen Stadion vor euphorischen Fans. Boateng spielt eine herausragende Partie an diesem Abend im Mai 2012, wie alle seine Mitspieler auch. Mit einer 1:0 Führung geht es in die letzten beiden Minuten, alles ist angerichtet für ein großes Freudenfest. Doch dann kommt die 88. Minute. Die 88. Minute, in der Boateng vergisst, bei einer gegnerischen Ecke den Stürmer zu decken. Das 1:1 ist der Startschuss für einen traurigen Restabend. Boateng verliert das Finale mit den Bayern und liegt danach am Boden. Mit der größten sportlichen Enttäuschung der Karriere muss er im Anschluss zur EM 2012. Auch hier folgt eine Niederlage kurz vor dem großen Ziel.
Boateng ergeht es so, wie damals, als er erst 10 Jahre alt war: Jemand anderes ist besser als er. Und Boateng wäre nicht Boateng, würde er nicht zurückdenken, sich wieder aufrichten und arbeiten. Arbeiten an den eigenen Schwächen und am lange ersehnten internationalen Titeltraum.

Für Jerome Boateng gingen die Finals nicht ohne Grund verloren. Der Glaube, dass Gott einen festen Plan für jeden vorgesehen hat, gibt ihm Halt und lässt ihn Rückschläge besser verkraften. So auch im Sommer 2012. Boateng steht wieder auf. Weiß, welche Ziele er verfolgt. Und arbeitet hart an sich, um sie auch zu erreichen. 2012 befindet er sich mit den Bayern im Tal der Tränen, als alles verloren ging. Am 25. Mai 2013 steht er im Londoner Wembley Stadion auf dem Rasen und blickt dankbar gen Himmel. Dankbar und glücklich über den Abend, den er erleben durfte. An diesem Abend gewinnt er mit dem FC Bayern die Champions League, das größte, was es im Vereinsfußball zu gewinnen gibt. Sie waren aufgestanden und hatten an sich gearbeitet, wie der 10-jährige Jerome damals in Berlin. Keine Selbstverständlichkeit, dass man nach derart gravierenden sportlichen Rückschlägen noch stärker zurückkommt. Auf diesen Erfolg setzt Boateng noch einen drauf. 2014 wird er in Brasilien mit dem DFB-Team Weltmeister. Immer wieder war man hauchzart vor dem Titel gescheitert, diesmal war der große Tag gekommen. Das goldene Tor erzielte Mario Götze, Symbolfigur wurde der blutende Bastian Schweinsteiger. Stiller Held des Spiels aber war Jerome Boateng. Über 120 Minuten lang nahm er einen Spieler namens Lionel Messi aus dem Spiel und sorgte dafür, dass Argentinien zu kaum einer Chance kam. „It all started with a dream“, schrieb er am Abend vor dem Endspiel auf Instagram. Keine 24 Stunden später war aus dem Traum Realität geworden. Angekommen in der Glückseligkeit, Weltmeister. Nur ein Jahr nach dem Champions League Triumph feierte der Berliner den größten Titel, den es zu gewinnen gibt.

2013 gewinnt Boateng mit Bayern die Champions League.

Hinfallen erlaubt, liegen bleiben verboten. Boateng und Heynckes feiern den CL-Sieg 2013. © Imago

Stilsicheres Vorbild

 

Mit dem sportlichen Erfolg kam auch das andere Standbein Boatengs immer mehr auf. Jerome ist Trendsetter, Stilikone, Designer und Influencer. Eine hohe Social-Media-Präsenz ist auch seinen Kollegen nicht abzusprechen. Boateng aber ist eine Marke in der DFB-Elf, ein Vorbild für die Jugend. 2015 wählte ihn das Magazin „GQ“ zum stilvollsten Mann des Landes, aus seiner Leidenschaft für teure Klamotten macht er keinen Hehl. In erster Linie ist Boateng Fußballer, in zweiter Linie Entertainer. Sein Vermarktungspotenzial ist riesig, Rapper Jay Z hat ihn dafür sogar unter Vertrag genommen, als ersten Fußballer und Europäer.

Oftmals gilt er als Sunnyboy der Nationalelf. Als jemand, der auffallend viele Leidenschaften neben dem Profifußball hat. Style, ausgefallene Frisuren, Klamotten, Brillendesign, Boateng ist nicht in eine Schublade zu stecken. Er liebt das privilegierte Leben eines Stars, ohne über die Strenge zu schlagen oder sich stets im Luxus zu präsentieren. Dort, wo er vor knapp 20 Jahren den linken Fuß trainierte, ist er daheim. Seine Heimat und seine Familie sind Boateng heilig. So gern er seine Fans in seinen Alltag blicken lässt, so wenig äußert er sich auf Nachfrage zu seinem Privatleben. Der Medienprofi weiß, was er der Welt zeigt und was er lieber für sich behält. Der private Jerome Boateng ist dem fußballerischen Jerome Boateng überaus ähnlich. Er spricht nicht groß über Niederlagen und Rückschläge, sondern klärt mit sich selbst, wie er diese Fehler nicht noch einmal macht. Auf sportlicher Bühne kommt er nach Niederlagen noch stärker zurück, im Privatleben ist er sein eigenes Vorbild und hält an seiner Kämpfernatur fest. Seine Zwillingstöchter sind sein ganzer Stolz, mit ihnen und seiner Verlobten Shirin leben mittlerweile alle zusammen in München.

In der Stadt, in der er als Talent den Durchbruch zum Weltstar schaffte. Dort, wo Boateng keine leichten Jahre seit dem WM-Titel erlebt hat. Langwierige Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück, Kritik wurde laut, ob er jemals wieder zu alter Form zurückfinden würde. Zur WM-Form. Als er der beste Verteidiger der Welt war. Boateng realisierte: Der 10-jährige Junge von damals weiß, was zu tun ist. Kämpfen, an seinen Schwächen arbeiten, seine Stärken weiter trainieren und allen zeigen, was in einem steckt. Und der heute 29-jährige Jerome tag genau das. Er kam zurück und war auf gutem Weg, wieder der alte zu werden. Kurz vor der WM konnte ihm aber auch der in der Kindheit erlernte Ehrgeiz nicht vor einer weiteren Verletzung bewahren. Wieder musste er eine schmerzhafte Niederlage in der Champions League hinnehmen, wie schon 2012. Aber mittlerweile weiß er: Nach jedem Rückschlag wartet die Arbeit. Ist die Arbeit getan, wartet etwas anderes: Die Belohnung. Die Arbeit hat Boateng getan, für die Belohnung sind er und das DFB-Team jetzt bereit.
Das, was er damals auf dem Bolzplatz erlebt hat, begleitete ihn ein Leben lang. Sein Bruder Prince war vor 20 Jahren bereits beeindruckt vom Charakter seines Bruders. Mit der Ausnahme von Brasilien 1962 konnte kein Weltmeister den Titel verteidigen. Wenn Jerome Boateng in Moskau erneut den goldenen Pokal in die Höhe reckt und mit seinen Töchtern wie schon 2014 den Triumph genießt, werden beide Brüder an den Kindheitsmoment zurückdenken und wissen: Es gibt nichts, was man nicht schaffen kann.

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Der stille Weltstar

By Champions League, Der stille Weltstar, International, News, Transfernews, WM-HeldenNo Comments

Es ist das Größte, was ein fußballbegeisterter Junge im Alter von vier Jahren erleben darf. Mit den großen Idolen vor 50.000 Menschen in ein beleuchtetes Stadion einlaufen und hautnah dabei zu sein, wenn die besten Fußballer der Welt gegeneinander spielen. Leon Kroos strahlte über das ganze Gesicht, als er genau das durfte. An der Hand seines Papas Toni genoss der Vierjährige seinen großen Moment, den er vermutlich nie wieder vergessen wird. Zum allerersten Mal durfte er im März 2018 neben seinem berühmten Papa ins Stadion laufen. Als Sohn eines Fußballers weiß er, wie es sich anfühlt, ganz nah dabei zu sein. Vor so vielen Menschen aber hat selbst Leon noch kein Spielfeld betreten.
Leon kennt das Gefühl, mit seinem Papa auf dem Rasen zu stehen. 2017 verlor der FC Bayern im Bernabeu gen das von Kroos dirigierte Real Madrid und schied aus der Champions League aus. Leon, damals drei Jahre alt, spielt nach dem Schlusspfiff mit Toni Fußball und wird von den Fans der Münchner gefeiert. Gerade aus der Champions League ausgeschieden, freuen sich die Anhänger mit dem stolzen Jungen.

Ein Fußballer ist heute nicht mehr nur ein Sportler, der für seinen Sport lebt. Ein Fußballer ist heute auch Vorbild. Vorbild, nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb. Viele machen modisch auf sich aufmerksam, zeigen stolz ihren millionenschweren Fuhrpark, jetten um die Welt oder provozieren mit ihrem luxuriösen Lifestyle. Und dann gibt es Toni Kroos. Den Weltstar, der als solcher nur fußballerisch erkannt wird. Den absoluten Weltstar, der anders ist, als viele seiner berühmten Kollegen. Den Weltstar, der still und heimlich zu einem der besten Fußballer geworden ist, die Deutschland jemals hatte.
Im Südwesten von Madrid geben sich Fotografen und Journalisten die Klinke in die Hand. Hier wohnt Cristiano Ronaldo, kein Fußballer auf der ganzen Welt wird häufiger fotografiert und zieht mehr Menschen in seinen Bann, positiv wie negativ. Neben ihm wohnt Toni Kroos. So viel Trubel, wie es beim Nachbarn tag täglich gibt, herrscht vor seinem Anwesen nicht. Eine Verteilung, die Kroos ganz Recht ist. Mit Sohn Leon, dessen Schwester Amelie und Frau Jessica lebt er so, wie er auf dem Platz spielt: Ruhig und extrem effektiv. Kroos begeistert sich für Tennis und Basketball, liebt seine Hunde und reist für seine Stiftung regelmäßig in die deutsche Heimat, um Kindern zu helfen.

Kroos wird von Mitspielern und Fans geschätzt.

Angekommen im Kreise der Königlichen. © Imago

Shootingstar – Star – Weltstar

 

Nebenbei spielt Kroos Fußball. Im Star-Ensemble von Real Madrid, dem wohl größten Club der Welt, ist er seit vielen Jahren gesetzt. Ein Status, der nicht vielen Spielern bei den Königlichen gewährt wurde. Aber Kroos zieht die Spanier in seinen Bann. Mit den gleichen Eigenschaften, die ihn auch abseits des Platzes auszeichnen. Mit Ruhe, Geschick und Leistungsbereitschaft lenkt er das Spiel von Real und schafft dabei den Spagat aus Defensive und Offensive. Wenn andere Spieler den offensiven Part übernehmen, fällt Kroos kaum auf. Er zieht die Fäden im Hintergrund und spielt im richtigen Moment diesen einen Pass, der den Spielstand verändert. Mit dem FC Bayern gewinnt er 2013 das Triple, doch so richtig wahrgenommen wird er damals noch nicht. Für die Bosse ist er noch zu inkonstant und unauffällig. Dass er im Champions League Finale 2012, im eigenen Stadion gegen den FC Chelsea, nicht im Elfmeterschießen antreten wollte, nehmen ihm bis heute manche Bayernfans übel. Bayern München und Toni Kroos war eine solide Beziehung, die große Liebe aber entstand von beiden Seiten aus nicht.

Dennoch reift Kroos beim deutschen Rekordmeister zu einem Star, der sich schleichend zu einem Weltstar entwickelt. 2014 feiert er im Maracana den WM-Triumpf und weiß: In wenigen Wochen heuere ich bei Real Madrid an, dann ist das Leben in der Komfortzone wohl endgültig vorbei. Die Konkurrenz bei den Königlichen ist immens, der damals 24-Jährige kann sich eines unumstrittenen Stammplatzes nicht zwingend sicher sein. Aber Kroos schlägt sofort ein und lässt keine Zweifel an ihm aufkommen: Hier will er spielen und alles gewinnen, hier will er reifen und sich verbessern, hier will er vor allem eines: Ein Führungsspieler werden. Einer, der nicht nur schweigt, sondern auch einmal kritisiert und auf sich aufmerksam macht, wenn es sein muss. Jemand, der für sein Team eintritt. Kroos wird in Madrid zu einem Spieler, den man sich auch beim FC Bayern gewünscht hatte. Die Führungspersönlichkeit steckt schon länger in ihm, doch er hat sich Zeit genommen, um sie nach außen zu tragen. Für sich und seinen Verein Real Madrid. Aus dem schüchtern wirkenden Spieler, der sich gerne hinter seinen Mitspielern versteckte während der Partie, ist ein Mann geworden. Einer, der auf dem Platz Zeichen setzt. Einer, der sich sein Standing im Team erarbeitet hat. Einer, der keine Konfrontationen mehr scheut und nach Niederlagen noch stärker zurückkommt.

Genau diesen Toni Kroos schätzt man nicht nur bei Real Madrid, sondern auch bei der Deutschen Nationalmannschaft. Mit ihm steht und fällt das Spiel der DFB-Elf. Kroos weiß, welchem Spiel welcher Stempel aufgedrückt werden muss. Wann er als defensiver und wann als offensiver Akteur gebraucht wird, um das angestrebte Ergebnis zu erreichen. Sein Ansehen bei der DFB-Elf ist gleichauf mit dem des Kapitäns, Manuel Neuer. So darf es sich ein Toni Kroos auch erlauben, die eigenen Mitspieler zu kritisieren. Im März 2018 verliert Deutschland ein Testspiel gegen Brasilien. Es geht um nichts, und doch um viel. Vor der WM testet Joachim Löw auf verschiedenen Positionen, die ausgewählten Kandidaten aber geben laut Kroos nicht genug. Der Madrilene spricht offen aus, was viele denken. Junge Spieler müssen ihre Chance im DFB-Trikot zu 100% nutzen, kämpfen und den unbedingten Willen zeigen, mit nach Russland zu fahren. Gegen Brasilien, sagt Kroos ohne Umschweife, haben die Spieler nicht gezeigt, dass sie wollen, weder fußballerisch noch mental. Vor nur wenigen Jahren schien es undenkbar, dass sich ein Toni Kroos einmal so äußern würde. Er ist in seine Aufgabe hineingewachsen und zu einer großen Persönlichkeit gereift, auf und neben dem Platz. Der Familienvater weiß, was im Leben zählt. Er verstellt sich nicht und greift Themen auf, über die andere gerne hinwegsehen. Mit nur 25 Jahren gründete er seine Stiftung, die sich um behinderte Kinder und deren Familien kümmert. Seine Stiftung ermöglicht den kranken Kindern ein halbwegs normales Leben und sorgt für finanzielle Unterstützung. Toni Kroos ist oft live vor Ort und besucht seine Schützlinge. Regelmäßig berichtet er seinen Fans davon auf seinem Instagram-Kanal und zeigt, wie sehr ihm diese Kinder am Herzen liegen. Der Fußballer geht voran, weiß, was ihm wichtig ist und ist der Mensch geblieben, den man auch vor der großen Weltkarriere angetroffen hat. Die Verantwortung für seine Mannschaft, seine Fans, seine sozialen Projekte und natürlich seine Familie lebt er und geht mittlerweile in der Rolle als Chef auf.

Beim FC Bayern spielt Kroos solide Jahre.

Toni Kroos beim FC Bayern. Gut, aber noch nicht gut genug. © Imago

Perfektioniert als Spieler, gereift als Mensch

 

Toni Kroos ist nicht nur Fußballer, Toni Kroos ist auch ein Mann klarer Worte. Er ist nicht nur fußballerisches Vorbild, sondern auch eine Person des öffentlichen Lebens. Er scheut das Rampenlicht nicht, und doch ist er froh, wenn die Auftritte wieder vorbei sind. Der Grat zwischen einem Social Media Star und einem professionellen Sportler ist ein schmaler geworden und Kroos bewegt sich mit Bravour zwischen den Gefilden. Fast 17 Millionen Menschen folgen ihm auf Instagram, das ist fast doppelt so viel, wie Manuel Neuer vorzuweisen hat. Der Mittelfeldstar ist der international berühmteste Spieler des deutschen Kaders. Vom unsicheren Toni, der als 17-Jähriger beim FC Bayern debütierte, ist nicht mehr viel übrig. Tattoos zieren seine Arme und elegante Outfits schmücken seine Fotos in den sozialen Medien. Und doch ist er anders als viele seiner schillernden Kollegen, die nur zu gerne zeigen, was sie mit ihrem Geld machen. Kroos hält sich im Hintergrund, aber er versteckt sich nicht. Er sagt offen und ehrlich seine Meinung, aber er bleibt sachlich und provoziert nicht. Er zeigt Einblicke in sein Privatleben, aber er überlegt mit Bedacht, was er preisgibt. Toni Kroos weiß, was er will und wohin er will. Anerkennung, Titel und Triumpfe haben ihn auf ein anderes Level gehoben, Tränen und Niederlagen haben ihn erst zu dem Spieler gemacht, den wir heute bewundern dürfen. Dem Spieler, der das Mittelfeld in Russland zur Titelverteidigung führen soll. Mit 28 Jahren hat Kroos alles gewonnen, was es im Weltfußball zu gewinnen gibt, die Champions League gar schon vier Mal. Die Verteidigung des WM-Titels wäre die Krönung.

Wenn am 15. Juli in Moskau das Finale abgepfiffen wird, könnte es sich wiederholen, was dem kleinen Leon schon vor einem Jahr so viel Spaß gemacht hat. Er könnte wieder zu Papa auf den Rasen laufen und sich mit ihm zusammen über einen großen Sieg freuen. Den größten Sieg, den ein Nationalspieler erringen kann. Und wenn er dann wieder zum Schuss aufs Tor ansetzt, werden ihm noch viel mehr Fans zujubeln, als damals in Madrid. Ein Anblick, der Toni Kroos so viel mehr bedeuten würde, als der erneute WM-Titel. Streben wird er nach beidem.

Toni Kroos feiert den WM-Titel 2014.

Fußballolymp. Weltmeister. © Imago

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